Dünnschism - Gulag Toiletpaper Hell CoverGenre: Goregrind/Grindcore
Label: Selbstveröffentlichung
Veröffentlichung: 01.08.19
Bewertung: 4/10 (Schwach)

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Borne bei Staßfurt, Sachsen-Anhalt, anno 2019. Ein Ort, welcher mit einer Bevölkerungsdichte von 81 Personen pro Quadratkilometer, grob 1200 Einwohner insgesamt und einer ortsansässigen Legende, die besagt das am nahe liegenden „Hühnengrab“ ein Riese begraben sein soll, nur bedingt etwas zu bieten hat, außer beruhigende Stille. Was kann es in diesem ländlichen Raum wohl sonst geben, außer einer als „Sanitär-Core“ selbst betitelte Band namens DÜNNSCHISM.

Bei einer Band mit diesem Namen und Musikerpseudonymen wie „Sado Steiner“, „Rex Rectum“ und „Dirty Ronschiss“ sollte von vorneherein klar sein, wo die Reise hingeht: Party, Grindcore und ganz viele schlüpfrige Pullermannwitze. Wem die Sache bereits jetzt schon zu albern ist, der sollte hier stoppen und sich anderen Artikeln widmen, denn die Subgenres des Grindcore (Goregrind, Porngrind etc.) sind die absoluten Antithesen zur kritisch denkenden Gesellschaft und kehren sich einen Kuhmist um Konventionen, was Songwriting und perfektionistisch aufgenommene Musik angeht.

Mit einem cineastischen kurzen Intro, welches einer Folge der Anarcho-Serie South Park entlehnt wurde, startet der erste Titel „World Durchfall Master“. Punkiges Riffing und der eine oder andere Blastbeat knüppeln einem gepaart mit tiefen Growls entgegen. So wirklich passiert in den anderthalb Minuten allerdings nicht wirklich viel und entsprechend verschwindet der erste Titel auch direkt wieder im Nichts.

Bei „Genital Manipulation“ regiert hingegen ein schöner Groove bei dem auch mal das Tanzbein wippen kann. So gut wie Sänger Sado die Growls beherrscht, so schwachbrüstig klingen die hohen Screams. Im tiefen Register kann man aber Parallelen zu Chris Barnes von Six Feet Under ziehen.

So richtig wollen die Songs nicht zünden. Auch wenn „Your Mamas Cunt Looks Like a Piece of Roadkill“ mit dem allseits bekannten Jeopardy-Jingle startet kommt der Song über einen kurzen Schmunzler nicht hinaus. Musikalisch wirkt das Ganze völlig überstürzt und irgendwie auf die Schnelle geschrieben und produziert. Sicherlich muss man sich in diesem Metier wenig Sorgen machen, ob die Riffs und Parts nun ach so einfallsreich sind und ganz bestimmt darf man auch keine akustische Dissertation in Bezug auf „mehrschichtige Akkordprogressionen und deren Wirkung in A-Moll“ erwarten, schließlich geht es hier immer noch um Grindcore, aber es kann absolut nicht schaden, wenn man nicht unbedingt einfach direkt jedes Riff aufnimmt. Die Kunst ist es, wenn man schon unpolitischen Grindcore mit Fäkalhumor kombiniert und absolut die Entertainmentschiene fährt, die Musik nicht zu vernachlässigen.

Beim Song „Das Satanische Mösengewitter – Sündphonie in Fistmoll“ hingegen fetzt die Mischung von DÜNNSCHISM ziemlich rein. Der Song groovt ordentlich und hat eine fiese, rauhbeinge Attitüde. Die Texte zitiere ich an dieser Stelle mal nicht, denn hier werden mehr Kraftausdrücke genannt als in einem 08/15 Gangsterrapsong.

Mit den „Cleanvocals“ in „Kalli Kaschmir (Terrifying Asshole Society 1)“, welche absichtlich schief und geschwollen gesungen werden, schießt der Dreier (höhöhö) allerdings ein wenig übers Ziel hinaus. Was bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass sich scheinbar auf dem Album ein mittelgarer Titel mit einem durchaus höhrenswerten abwechselt. „Das Lesbische Peitscheninferno“ startet mit einem weiteren Einspieler bevor es wieder einen schönen Brocken zum Mitnicken gibt. Besonders der kurze Mittelteil, in dem das Tempo gedrosselt wird, weiß zu gefallen.

Im hinteren Drittel wartet dann der längste Song des Albums – „The Bachelor (Terrifying Asshole Society 2)“. Zu Beginn schön eingeleitet mit disharmonischen und lang klingenden Tönen entwickelt sich der Titel im Verlauf zu einem Stück, welches zumindest musikalisch an ganz frühe Misery Index erinnern lässt. Es scheint allerdings, dass den Musikern in Richtung Ende der Text ausgegangen ist, denn ca. anderthalb Minuten hört man nur vereinzelt das Wort „Bachelor“. Vielleicht steckt dahinter auch eine ganz clevere Pointe, die ich nicht verstehe. Aber wenn man einen Zeitraum, in dem andere Grindcore Bands einen kompletten Song unterbringen könnten, frei lässt, fragt man sich doch ungewollt, ob das alles so seine Richtigkeit hat.

Der letzte Track „Was Für’s Herz“ lässt nochmal alles grob Revue passieren, was auf dem Album geboten wurde und endet mit Refrain des John Paul Young Klassikers „Love is in the Air“.

Mal Hand aufs Herz: Klar ist die Musik absolut nicht ernst gemeint, und selbstverständlich geht es hier auch nur um den Spaß. Niemand erwartet, dass DÜNNSCHISM mit dem Album einen Grammy gewinnen (was eine interessante Vorstellung wäre) und ich denke nicht einmal die Musiker selbst haben in irgendeiner Form vorgehabt, jetzt den Metal auf links zu krempeln und völlig neue Akzente zu setzen. Daher sollte man den Musikern ihren Spaß lassen und auch den Leuten die möglicherweise wild im Kreis tanzend vor der Bühne stehen. Wer hier gehaltvolle Unterhaltung erwartet, wird nicht unbedingt fündig. Wer hingegen einfach mal zwei bis zehn kühle Pils verhaften will und kein Problem mit flachen Sprüchen, Witzen und handwerklich nicht allzu schwieriger Musik hat, der darf hier gerne einmal feierlich Komasaufen. Meine Bewertung ist daher mit einem freundlichen Schulterklopfen und mit einem Getränk in der Hand zuprostend zu verstehen.