Mothers Tomb - Absent Not Dead AlbumcoverGenre: Death Metal
Label: Redefining Darkness Records
Veröffentlichung: 27.09.19
Bewertung: 7/10 (sehr gut)

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MOTHER’S TOMB wohnt eine gewisse Tragik inne. Gegründet wurde die Band an Vatertag 2018 in Atlanta, nachdem Hauptsongwriter Jason Schwartzwalder mit seiner vorigen Band BRUTALITY brach. Der Name der Band leitet sich indes von den Gegensätzen der Begrifflichkeiten Mother ( = Mutter bed. Liebe, Beginn, Leben) und Tomb ( = Grabstein bed. Tod, Ende, sterben) und von der Balance zwischen Licht und Schatten ab. Die EP bzw. der Name der EP ist eine Anspielung auf den Cousin Schwartzwalder’s. Dieser wurde 2016 in seinem Haus ermordet und hinterließ eine große familiäre sowie freundschaftliche Lücke. Somit spielt der Titel auf diejenigen Personen an, welche nicht mehr unter uns weilen, allerdings durch ihre dagewesene Existenz immer noch die Geschicke der Lebenden beeinflussen. Puh, schwere Kost mit emotionalem Beiklang, sowas ist man von Death Metal Alben zunehmend immer seltener gewohnt. Im Folgenden soll sich herausstellen, ob „Absent Not Dead“ musikalisch verwirklicht, was es sich vornimmt.

Ohne langes Drumherum geht der Titletrack „Absent Not Dead“ auch sofort in die Vollen. Melodisches und gleichzeitig wütendes Riffing und ein sehr massiver Groove bestimmen den Song. Die harmonischen Gitarrenläufe verleihen dem Song zusätzliche Tiefe, während sich Sänger Donny Hamilton mit mal krächzigen, mal tief gegrowlten Gesang ergießt. In der Mitte wird einem akustischen Interlude Platz gelassen, das durchaus Atmosphäre mitbringt. Im letzten Drittel wird das Tempo etwas gezügelt und ein cooles Solo wird mit eingestreut. Hier hätte es vielleicht etwas weniger Frickelei sein dürfen, um die epische Struktur nicht zu sehr ins Wanken zu bringen.

Nach einem an Death erinnernden Einspieler geht es mit „Mutual Hostility“ weiter in Sachen Epik. MOTHER’S TOMB driften keineswegs in Richtung Amon Amarth ab, was die Epik betrifft, viel mehr machen sie viel Fläche für hymnische Leads und Einwürfe, die dem Song eine gewisse Größe verleihen, ohne das es gekünstelt oder artfremd wirkt. Musikalisch bewegen sich die Herren zwischen Suffocation oder Unleashed, wenn diese sich zum Picknick mit Cannibal Corpse treffen. Erneut kann man schnelles und aggressives, jedoch auch melodisches und grooviges Riffing vernehmen. Richtung Ende hagelt es dann noch einen kräftigen Blastbeat und einige Gangshouts. Diese wirken jedoch ein wenig schwachbrüstig und dünn. Insgesamt aber eine coole, flotte Death Metal Nummer, die man sich durchaus auch ein zweites oder drittes Mal anhören kann und sollte.

Der letzte Titel hört auf den Namen „Slaughtering Innocence“ und beginnt direkt mit angeschwärztem Riffing und Drums. Der Beginn und die sich anschließende Strophe klingen in Zusammenspiel mit der zweiten Gitarre im Hintergrund ziemlich Black Metal-lastig, was dem Song in der Gesamtheit einen spannenden Kontrast gibt. Das wieder sehr frickelige Solo und der Mittelteil sind wieder mehr in Richtung Oldschool Death Metal verlagert, wo es MOTHER’S TOMB aber nicht lange hält und so wieder zügig zur musikalischen Marschroute vom Beginn umgelenkt wird, bevor sich der Song in einem Fadeout verliert.

Dass die EP nur drei vollwertige Songs enthält und somit auf gerade einmal auf knapp 15 Minuten Spielzeit kommt, macht so ein Fazit schwer. Die Songs sind allerdings allesamt sehr gut gespielt und auch die knüppeldicken Grooveattacken kommen sehr gut aus der Knete. Die Wut und Aggression, die die Band hier transportiert, wurde in teilweise epische Strukturen gegossen, die durchaus einiges an Kreativität voraussetzen. Einzig die Refrains sind ein gewisser Schwachpunkt. Diese heben sich nämlich im Vergleich zum Rest des Materials kaum ab und so fließen die Songs relativ am Hörer vorbei, ohne direkt haften zu bleiben oder gezielte Eindrücke zu hinterlassen. Insgesamt ist „Absent Not Dead“ allerdings ein super Einstand einer Band, bei der zu hoffen ist, dass man von ihr noch mehr hören darf und wo noch etwas an Luft nach oben ist.