Surface - River of Souls AlbumcoverGenre: Death Metal/Thrash Metal
Label: Reaper Entertainment Europe
Veröffentlichung: 04.10.19
Bewertung: 8/10 (Klasse)

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Da ist er also nun: Der Drittling aus dem Hause SURFACE namens „River of Souls“. Die Hamburger Death/Thash-Kombo gründete sich durch Tim Robinson (Gitarre/Vocals) und Marco Bechreiner anno 2010 und nahm bereits zwei Jahre später das Debüt „Where The Gods Divide“ auf. 2015 konnten SURFACE den Nachfolger „Rise of Kronos“ eintüten, jedoch begann sich ebenfalls das Besetzungskarussel zu drehen. So schied Ur-Basser Timo Petersen aus und Tim Broscheit konnte die Position am Tieftöner übernehmen. Doch dessen nicht genug. 2017 verließ Gitarrero Jason Coffi die Band, was zunächst eine ziemliche Lücke hinterließ. Jedoch konnte mit Johnny Ritter (Creeping Hell) im Jahr darauf ein absolut adäquater Ersatz eingestellt werden, mit dem die Maschinerie nun wieder volle Fahrt aufnehmen konnte. Einer der zentralen Dreh- und Angelpunkte bei SURFACE stellt zweifelsohne die griechische Mythologie dar, welche sowohl in Sachen Artwork, als auch in den Texten einen prägenden Stempel hinterlässt. Mit etwa 150 gespielten Gigs im Koffer und einer Menge Rückenwind aus dem Underground geht es jetzt ab auf die Fähre und fulminant den Styx entlang.

Abgelegt wird mit „E´Ste Il´Thios Cho´Ros“, einem atmosphärischen Intro, welches mit Streichern und einem generellen Orchesterflair aufwartet. Natürlich wird dem Titelnamen entsprechend auch ein Chor eingesetzt (E´Ste Il´Thios Cho´Ros = „Dies ist mein Chor“ (Danke Google)) und die Erwartungshaltung ist nach diesem cineastischen Intro schon relativ hoch.

Gestartet wird der Reigen mit dem Titletrack „River of Souls“, bei dem sofort der absolut differenzierte und klar Sound auffällig wird. Hier wurde mal so richtig amtlich aufgefahren! Es ist auch kein Wunder warum SURFACE diesen Titel als erste Singleauskopplung auserkoren haben: Ein meterdicker Groove, der sich vom Beginn bis zum Ende zieht und hier und da von leicht proggigen Einschüben aufgelockert wird. Das Organ von Sänger Tom steigt mit seinen Growls im Ohrwurm-Refrain ganz weit hinab in den Hades und entfesselt Legionen von bösen Horden. Die Bridge, welche in ein cooles Solo mündet, wurde geschickt dissonant gehalten ohne zu nerven, während die Rhythmik nicht den offensichtlichen Weg geht und so zu vorhersehbar wird. Alles in allem ein mehr als gelungener Einstand.

Richtig in die Vollen geht es dann mit „Ode to the Sun“, welches unmittelbar mit akzentuierten Doublebass-Passagen und drückendem Riffing startet. Ein wenig Frickeligkeit hat sich hier verloren und auch die Vocals drehen mit derben Growls und diversen Pigsqueals ordentlich auf und schrauben die Aggressivität nach oben. Wenn ich mich nicht täusche übernimmt Bassist Tim zur Songmitte hin ebenfalls die Vocals, was äußerst schwierig auszumachen ist, denn sowohl Tim als auch Tom ähneln sich in ihrer Stimmbandbeschaffenheit sehr. Nach bereits zwei Songs (plus Intro) haben SURFACE bereits gut umrissen, dass sie sich darin verstehen moderne und traditionelle Elemente zu vermischen, ohne sich selbst gezwungen in Form zu pressen.

Abakus raus! Jetzt werden Zählzeiten errechnet. Bei „Feed The Fires of Rome“ wird es zumindest am Beginn ein wenig exotisch. Im Verlauf setzen die Nordlichter auf die inzwischen etablierte Melange aus Groove und kurzen Tempovariationen. Doch die Herren können nicht nur böse und gemein. Der Mittelteil besticht durch melodisches Riffing und ein ziemlich rockiges Solo von Axtpartner Johnny, welches sich gut ins Gesamtbild einfügt.

„Thanatophilus“ schlägt mit ziemlicher Präzision abermals im Midtempo zu und lässt den Kopf weiter pausenlos nicken. Der „Gerippte Totenfreund“ (wer diese Bezeichnung seltsam findet sei auf diesen Artikel verwiesen) lässt allmählich durchblicken, das die Hamburger möglicherweise das Material ziemlich livetauglich gehalten haben und auf zu viele zusätzliche Spuren wie Leads etc. verzichtet haben. In Zeiten, wo es kein Problem wäre mehrere Gitarren übereinander zu schichten geht die Truppe, trotz aller Anleihen an die Moderne, dann doch eher Oldschool ans Werk.

Mit „Ovoviparus Serpentes“ wird auch schon das nächste Ei gelegt, für das ebenfalls ein aufwendiges Musikvideo gedreht wurde. Zunächst beginnt der Song gediegen und gedehnt, während die Leads ein wenig an NILE erinnern lassen. Im Folgenden geht es dann jedoch harscher zur Sache und in puncto Riffing kann man leichte Querverweise in Richtung LAMB OF GOD ziehen. Auch hier werden wieder dissonante Akkorde benutzt, die ein gewisses klaustrophobisches Feeling erzeugen.

So fix wie „Kosmologica“ startet, so schnell wird auch wieder in Richtung Stampfer umgeschwungen. Die Slam Death-mäßigen Riffs in den Strophen werden vom Uptempo Refrain aufgefangen, bei dem natürlich der Name des Songs abermals erwähnt wird. Zumindest diese eine Oldschool-Regel befolgen SURFACE ganz sicher und strikt. Insgesamt flutscht „Kosmologica“ ein wenig durch, da sich so recht keine Highlights präsentieren.

„Hera“ ist zum Ende des Albums nochmal ein schöner und vor allem temporeicherer Brecher, bei dem sich KATAKLYSM und LAMB OF GOD sicherlich ein respektzollendes Nicken entlocken lassen sollten. Der „Breakdown“ (welch böses Wort heutzutage) kesselt einwandfrei und als Fetischist von geilem Snaresound breitete sich mir ein dickes Grinsen über dem Gesicht aus.

Das abschließende Doppel aus „Replace The Immortals“ und „Olympus Has Fallen“ fässt die Essenz des Albums gut zusammen. Viele Grooves, fiese Growls (Sänger Tom hat in der Kindheit bestimmt selten Wick Vaporub bekommen) und besonders bei „Olympus Has Fallen“ einen geilen schiebenden Part mit Doublebass, der heftig ballert.

Mal Butter bei die Fische. SURFACE werden sicherlich nie als eine Band gelten, die mit atemberaubenden Leads und virtuos gespielten Melodien und Solos auftrumpfen kann, sondern als eine sich stetig weiter vorwalzende Death Metal-Dampfwalze, die auch keineswegs versucht sich auf wagen Terrain auszutoben. Vielmehr besinnt sich das Quartett auf seine Stärken und die liegen im Groove und in den erdigen Riffs an sich, welche die damit dargebotene Brutalität und Aggression sehr gut transportieren. Genau dieser Satz an Authentizität geht den meisten Bands sehr schnell flöten, da sie sich versuchen an bestimmte selbst gewählte Vorgaben zu halten und dadurch ziemlich schnell verpassen worauf es ankommt: Einen guten, stimmigen Song. Davon haben SURFACE einige im Gepäck und es sollte nicht überraschen, dass diese live extrem zünden werden. Man sagt einer Floskel nach das „das dritte es richten wird“ und eben dieses sollte äußerst erfolgreich gelungen sein. Abschließend bleibt nur zu sagen: SURFACE, du dumme Sau!!