„SMV und die Wilde 13“ – APOPHIS (Interview)

In der dritten Runde unseres Frage-Antwort-Spiels haben wir die Schwaben von APOPHIS auf dem Stuhl, deren Gitarrist Roger uns aus dem fernen Brexit-Land herübergefunkt hat.

aphophis

  1. Wie habt ihr Bandname und Logo entwickelt?

Als wir uns 1989 zusammengefunden haben, nannten wir uns „Raise Hell“, was mit „Mordskrach“ übersetzt werden kann. Als dann im darauf folgenden Jahr mit einem Stilwechsel hin zum Death Metal die Musik an Qualität zunahm, wollten wir einen Namen, der auch einen Inhalt transportieren kann. Da kamen wir dann über die Geschichte von Apophis, dem Gegner des Sonnengottes, der täglich Ras Sonnenbarke angreift und von Seth zerstückelt wird, auf den Namen. Dieses Blut ist das Abend- und Morgenrot. So etwas fanden wir cool und das war eine ganze Weile vor Stargate und der Entdeckung des Asteroiden.

Was das Logo angeht, so hatten wir auf dem Demo tatsächlich noch einen zackigen Schriftzug mit Blut dran (was wir bei jedem Demo eigenhändig dranmalten). Später wollten wir jedoch keines von diesen mitunter sehr fantasievoll aussehenden, letztlich aber unleserlichen Logos haben und haben uns für eine relativ normale TrueType-Schriftart entschieden.

  1. Was muss ein Song haben, damit er auf eurer CD landet? Welche Songs fliegen raus?

Der Song muss einfach geil sein und die Trademarks von Apophis beinhalten. Das sind Songs, wegen denen wir selbst vor die Bühne oder auf die Tanzfläche gehen würden. Uns waren und sind immer Melodien wichtig, genau wie Soli, die nicht nur helfen sollen, dass der Song nicht langweilig wird, sondern die dem Song noch einmal zusätzlich Qualität verleihen. Das Schlagzeug unterstützt den Song und soliert nicht unpassend vor sich hin.

Wir hatten schon lang keinen Song mehr, der rausgeflogen ist, aber generell gilt: Wenn von einem von uns auch nur ein „meh“ kommt, ist er schon auf der Liste, zumindest auf der Bearbeitungsliste.

  1. Was darf bei einem Live-Auftritt nie fehlen?

Früher war das Most, also Apfelwein. Inzwischen haben wir keinen Mostkeller mehr, also hat sich das erledigt.

Heute sind das unser Kumpel Roland, der die ganzen Backingtracks raushaut, von denen wir ja eine ganze Menge haben, und natürlich Stimmung. Es ist egal, ob du vor 10 oder 200 Leuten spielst, wenn keine Stimmung aufkommt, hast du natürlich verloren.

  1. Welches Ziel verfolgt ihr mit eurer Musik?

Die gleichen wie jeder ehrliche Musiker: Wir wollen Frauen, Geld und Alkohol. Gilt das? Wir sind Musiker und wir machen Musik. Wenn sie den Leuten gefällt, wollen wir raus und sie präsentieren. Wenn dann Daumen und Pommesgabeln hochgehen, yeah, und wenn die Stimmung geil war, wissen wir, warum wir uns das geben.

  1. Wie seht ihr euren Platz in der Szene?

Viele in der Szene wissen gar nicht, dass es uns noch gibt, weil es doch etwas ruhiger war in den letzten zehn Jahren. Wir rollen gerade das Feld wieder auf, hauptsächlich von England aus, aber auch auf dem Festland sind wir wieder unterwegs und das wird sich nach der Veröffentlichung von „Excess“ wohl steigern.

  1. Was nervt euch am Musik-Business am meisten?

Mich persönlich nervt es, wenn uns Rotznasen, die halb so alt wie die Band (nicht die Musiker) sind, sagen, was gut für uns ist. Noch schlimmer finde ich allerdings die Entwertung der Musik. Es werden immer weniger CDs gekauft (auf Konzerten wurde mir am Merch-Stand schon deutlich gesagt, dass unsere Musik so gut sei, dass er sie sich gleich mal downloaden wird, natürlich inoffiziell). Also werden die Konzerte immer teurer. Dann spielt man als Undergroundband vor halbleerer Hütte und die großen Acts ziehen dem Publikum das Geld aus der Tasche. Darunter leiden dann natürlich auch die Clubs.

  1. Wer sind eure Vorbilder?

Uh, da gibt es viele, die ursprünglich für uns wichtig waren, z.B. Carcass, Slayer, Destruction, Obituary, Death, Entombed, Paradise Lost. Heute kämen ganz andere Musikstile hinzu, vor allem auch außerhalb des Metals. Wir haben offene Ohren in alle Richtungen, aber wir sagen nicht „Oh, toll, so wollen wir klingen.“ Wir machen unsere Musik, die eindeutig im Oldschool-Death Metal verwurzelt ist und fügen dazu, was wir für cool erachten.

  1. Wie entstehen eure Texte?

Früher hatte quasi jeder unserer Texte in irgendeiner Form mit dem Tod zu tun. Das war seltener die blutige Form, sondern eher die düstere, dunkle, morbide, psychische Form. Heute beschreiben wir auch andere Themen, die uns bewegen, wobei „Excess“ aufgrund seines vordergründig positiven Grundtenors etwas heraussticht. Es wird aber weiterhin keine Tri-tra-tralala-Texte von uns geben.

  1. Wenn alles möglich wäre – wie würde euer ultimatives Musikvideo aussehen?

Da „alles möglich“ nie in unserem Budgetbuch stand, gibt es da nicht viel Erfahrung, aber so richtig aus dem Vollen schöpfen wie Rammstein oder Metallica wäre sicher chefmäßig, mit Videosequenzen, Zeitlupen, einer richtigen Story, cooler Bildkomposition und einem visuellen Hook, an den man sich auch hinterher noch erinnert.

  1. Welche Band(s) haltet ihr gerade für völlig unter-/überbewertet? Warum?

Ich fand immer Holy Terror schrecklich unterbewertet und auch Master’s Hammer hatten richtig geile Musik, allerdings wurden sie wohl wegen dem eigenständigen Gesang nicht so richtig groß.

Allerdings fallen mir auch ein paar Bands ein, bei denen ich nicht weiß, warum sie da sind, wo sie sind, aber das fällt wohl in die Sparte „Geschmackssache“.

  1. Wie sieht euer Proberaum aus?

Wir haben gar keinen. Da wir seit ein paar Jahren nur vor Konzerten proben, mieten wir uns bei befreundeten Bands ein, also kann ich beschreiben, wie die Proberäume von Inferno, Revel in Flesh oder Cockroach aussehen.

Ansonsten hatten wir früher einen normalen Proberaum: Unsere Instrumente und Verstärker, Gesangsanlage/PA, Kühlschrank mit Bier und, schon lange her inzwischen, einen mit Schlagzeugpodest auf einem Mostkeller, Nagelstamm für Trinkspiele usw.

  1. Wann habt ihr die meisten/besten Ideen für neue Songs?

Das funktioniert wie bei Beethoven: Mir fällt beispielsweise auf dem Nachhauseweg, beim Spazierengehen und bisweilen auch im Schlaf eine Melodie ein, die ich dann an der Gitarre ausarbeite. So entsteht dann nach und nach der Grundriss für einen Song. Im Proberaum wird dann gemeinsam am Arrangement gearbeitet, bis alle Daumen hoch gehen. Wie das in Zukunft aussehen wird, wird sich zeigen.

  1. Was ist der Stoff, aus dem eure Alpträume sind?

Politiker, die sich für weise und unfehlbar halten, aber weltweit zündeln. Und solche, die einem ganzen Volk falsche Tatsachen verkaufen, mit diesem Halbwissen eine Wahl herbeiführen und dann den Schwanz einziehen, wenn das Volk darauf hereingefallen ist. Und wiederum solche, denen die Umwelt egal ist und indigenen Völkern in ihren Staaten die Lebensgrundlage nehmen. Und dann ist da im Internet dieser wachsende Hass auf alle, die anders denken. Diese wachsende Verrohung der Sitten und Sprache ist gerade dabei, Wunden zu schlagen.