In unserem taufrischen und noch brandneuen Interviewformat „Die Wilde 13“ fühlen wir diesmal der Band um unseren Chefredakteur und Boonekamp-Spezialisten Alex und seinen Kollegen von HERBSTSCHATTEN auf den Zahn, welche sich derzeitig auf Tour befinden. (Infos hier)

Wie habt Ihr Bandname und Logo entwickelt?

Ephan: Ursprünglich hatten wir uns nach verschiedenen Überlegungen für einen norwegischen Bandnamen entschieden, welcher zugegebenermaßen grammatikalisch nicht ganz korrekt war und recht schnell wieder beerdigt wurde. Im Anschluss haben wir mit der damaligen Besetzung erneut ein Brainstorming abgehalten und waren uns ziemlich schnell einig, dass wir eine gewisse Naturverbundenheit im Namen erkennen lassen sowie auf die deutsche Sprache wechseln wollten. Kurz danach haben wir uns dann auf den jetzigen Namen HERBSTSCHATTEN geeignet. Natürlich brauchten wir auch ein passendes Logo und haben uns spontan an unseren guten Freund und Musikerkollegen Malte gewendet, der “’n bisschen was mit Grafik machte“. Von uns gab es ein paar grobe Vorgaben und ziemlich schnell hat er uns das heutige Logo gezaubert.

Was muss ein Song haben, damit er auf Eurer CD landet? Welche Songs fliegen raus?

Nici: Wir versuchen beim Songwriting schon sehr bedacht und selbstkritisch vorzugehen. Songs oder Songideen, von denen wir nicht voll und ganz überzeugt sind, werden gar nicht erst fertig gestellt. Das heißt, auf dem Album befindet sich letztendlich das Ergebnis einer erfolgreichen Songwritingphase oder besser gesagt: Alles, was fertig ist, ist gut und kommt deshalb auch auf die Platte. Ach so, und BALLERN muss es natürlich.

Was darf bei einem Liveauftritt nie fehlen?

Alex: Neben so offensichtlichen Dingen, wie unser Equipment und natürlich einer geilen Crowd, mit der man feiern kann und die Bock auf abgehen hat, darf traditionsgemäß auf keinen Fall Boonekamp fehlen. Ich weiß nicht, wer damit mal angefangen hat, böse Zungen behaupten ich war es, aber seit einiger Zeit trinken wir vor’m Gig immer einen Boonekamp. Das gehört mittlerweile einfach dazu.

Welches Ziel verfolgt Ihr mit Eurer Musik?

Nici: In erster Linie natürlich unsere Begeisterung für die Musik und dem gemeinsamen Musizieren auszuleben. Eigene Stücke zu komponieren und kreativ zu kollaborieren war schon immer eine große Leidenschaft von mir und gemeinsam mit meinen Freunden auf der Bühne zu stehen und die Reaktion des Publikums zur eigenen Musik zu erleben, ist einfach ein einmaliges Gefühl. Darüber hinaus finde ich, dass wir mit HERBSTSCHATTEN der Metalwelt auch einen ganz individuellen und interessanten Flavor anbieten können. Somit tragen wir zur Soundvielfalt der Szene bei und erreichen in naher Zukunft hoffentlich in Punkto Ansehen und Reichweite ein ähnliches Niveau wie die Black-Metal-Bands, die wir schätzen und gerne hören.

Ephan: Gerne möchte ich noch ergänzen, dass ich immer versuche, meine aktuelle Gefühlswelt mit in die Musik einfließen zu lassen, so klischeehaft das auch klingen mag. Gerade am Anfang des Songwritings (bezogen auf meine Idee/Riffs) ist daher immer eine gewisse Stimmung erkennbar, welche sich beim gemeinsamen weiteren Songwriting jedoch durchaus deutlich verändern kann.

Wie seht Ihr Euren Platz in der Szene?

Nici: Gute Frage. Wir sind weder die brutalste, noch die progressivste, groovigste oder atmosphärischste Gruppe auf dem Markt, aber wir vereinen all diese Elemente zu einer eigenen Mischung, auf die wir sehr stolz sind und dennoch ständig weiterentwickeln. Wir sind halt keine „Gimmick-Band“. Die Band mit den brennenden Instrumenten. Die Band, die 20 bpm schneller spielt als alle anderen. Die Band mit dem drahtigsten Sound. Die Band, die sich mit Honig einreibt, wo alle Songs von Bienen handeln. Sowas interessiert uns nicht. Uns interessieren vor allem unsere Songs.
Was wir also zur Szene beitragen, sind die für uns einzigartigen HERBSTSCHATTEN-Songs. Welchen Platz wir dadurch haben, darf die Szene gerne selbst entscheiden.

Was nervt Euch am Musik-Business am meisten?

Michi: Ich denke wir sind uns einig, dass es als Musiker frustrierend sein kann, um seine Gage zur Kostendeckung zu kämpfen, während Playback-Alleinunterhalter ein paar Tausender pro Abend machen können. Es gibt zum Glück immer noch eine Anzahl an Leuten, die für einen Zehner einen Abend voller handgemachter Musik zu schätzen wissen! Das motiviert uns weiterzumachen!

Alex: Was auch sehr nervt sind Bands, die sich selbst viel zu ernst nehmen und Dinge von Bookern und Locations verlangen, die so gar nicht umsetzbar sind. Meist sind das dann die Bands, die in einer Location als „no Name Band“ von außerhalb spielen und erwarten, die Location macht dann so viel Werbung, dass dennoch jemand kommt. Wenn dann keiner da ist, was vorhersehbar war, wenn man sich ein wenig auskennt. Merkt sich das auch die Location und andere Bands von außerhalb, mit Ahnung und Ambitionen, hätten es dann schwieriger.

Wer sind eure Vorbilder?

Nici: Ich beziehe das jetzt mal auf den Musikbereich. Vorbild ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber es gibt einige Bands und darin auch einzelne Musiker, die mich inspirieren und denen ich eine Menge Respekt entgegen bringe. Ich finde Bands wie DEAFHEAVEN und LITURGY richtig geil, weil sie auf unterschiedliche Art und Weise die Grenzen des Black Metal Genres sprengen oder für sich neu definieren. Vor allem tun sie dies auf eine Weise, die mich emotional total anspricht. Mal abgesehen davon haben beide Bands gnadenlos gutes Drumming. Das sind definitiv Gruppen, zu denen ich schaue und mir sage: „Das, was ihr bei mir auslöst, möchte ich gerne mit meiner Musik bei anderen bewirken.“ Ein ähnliches Empfinden habe ich bspw. auch bei der japanischen Band ENVY, die zwar eher aus einer anderen Ecke des Metals stammt, mich aber auch schon seit Jahren beim Songwriting und Schlagzeugspielen beeinflusst.

Abschließend würde ich noch Nergal von BEHEMOTH nennen. Der Mann hat eine furchtbare Krankheit besiegt und anschließend mit seiner Band eins der besten Death-Metal-Alben aller Zeiten gemacht. Das allein finde ich mehr als respektabel. Mittlerweile sind BEHEMOTH auch echt eine Macht.
Die Musik, der Sound, das Konzept, die Live-Shows, die Bühnenpräsenz… Das alles scheint zu großen Teilen Nergals Vision und Willen zu entspringen. In dieser Hinsicht ist er für mich eine wirklich bemerkenswerte Persönlichkeit in der Metalwelt.

Wie entstehen eure Texte?

Nici: Früher hat unser ehemaliger Gitarrist und Zweitsänger Hendrik die Texte geschrieben. Durch seine Begeisterung für Norwegen und seine Sprachkenntnisse kamen so auch die vielen nordischen Einflüsse in unsere Songs, wie man vor allem auf unserem Debüt-Album „Liv og Død“ hören kann.

Mittlerweile habe ich das Texteschreiben übernommen und bringe ähnlich wie beim Songwriting nun auch neue Elemente und Ideen in HERBSTSCHATTENs Repertoire. Häufig lass‘ ich dabei einfach die Atmosphäre der Songs auf mich wirken und entwickle aus den Bildern, Wortfetzen und Rhythmen, die mir dabei kommen, ein Konzept für den Textinhalt. Den Songtitel finde ich dabei auch sehr wichtig. Für unser neues Album haben wir zum Beispiel einen Song namens „Seelenschrei“ geschrieben. Dieser handelt von einem fanatisch religiösen Serienmörder im Rotlichtmilieu. Das hat nicht mehr viel mit nordischer Mythologie zu tun, aber das sind nun mal die Ideen, die mir beim Anhören der Musik gekommen sind. So hat jeder Song auch seine eigene Identität. Das macht Spaß.

Wenn alles möglich wäre – wie würde euer ultimatives Musikvideo aussehen?

Alex: Wenn alles möglich wäre, hätte ich da einige Ideen, was man machen könnte. Ich fände erst einmal eine Szenerie gut, die nicht so 08/15 Black Metal mäßig ist. Ich persönlich bin auch eher ein Fan von Musikvideos, die noch einmal eine eigene Geschichte erzählen. Ein derartiges Musikvideo ist dann immer wie ein kleiner Kurzfilm und man kann viel machen. Natürlich müsste man dann, wenn man ein ordentliches Musikvideo macht, auch hochkarätige Schauspieler nehmen. Als erstes natürlich immer wieder unterschätzt: Jake Gyllenhal und dazu Nicolas Cage, der einfach komplett durchdreht und – wie sehr oft – einfach ein bisschen over the top spielt. Die beiden könnten durch Ihr Schauspiel, dass in dem Fall ja komplett auf Mimik und Gestik beruhen müsste, denke ich eine grandiose Atmosphäre erzeugen. Also mein ultimatives Video wäre mit den beiden und dazu kein „wir stehen im Kreis und headbangen“ Video, sondern eines mit Substanz.

Welche Band(s) haltet ihr gerade für völlig unter-/überbewertet? Warum?

Alex: DAVID HASSELHOFF, darum.

Wie sieht euer Proberaum aus?

Ephan: Leer, weil wir gerade auf Tour sind. Ansonsten haben wir einen recht kleinen Proberaum, der, je nach Stimmung, entweder richtig aufgeräumt ist oder aber komplett zugemüllt. Teilweise auch mit menschlichem Abfall.

Wann habt ihr die meisten/besten Ideen für neue Songs?

Ephan: Tatsächlich beim Sport, da kommen mir die meisten Riffs in den Sinn.
Nici: Mir eigentlich immer in der Sauna.

Michi: Ich finde das etwas schwierig zu beantworten, wir setzen uns ja nicht ans Lagerfeuer und jammen zusammen, bis da irgendwas Gutes bei raus kommt. In der Regel funktioniert es am besten, wenn einer einen Song so weit fertig schreibt und jeder auf das bestehende Gerüst seine eigenen Einflüsse einbringt.

Was ist der Stoff, aus dem eure Alpträume sind?

Alex: Ich habe vor Ewigkeiten mal gehört, dass durch die nahende globale Erwärmung das Bier zukünftig, aufgrund der Dürren und dadurch resultierenden schlechteren Hopfenernten, deutlich teurer und zu einem gewissen Grad auch knapper wird. Es wäre fürchterlich, wenn sich das auch auf Boonekamp auswirken würde. Vielleicht werden sonst aus den 40 Kräutern nur noch 37 – und dann würde der ja gar nicht mehr schmecken.