SOTD_CoverGenre: Doom/Death Metal
Label: AOP Records
Veröffentlichung: 29.11.2019
Bewertung: Gut (6/10)

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Denke ich an spanischen Metal, kommen mir normalerweise die Die Hard-Fans in den Sinn, die vor allem auf klassischen Heavy Metal à la Blind Guardian oder Iron Maiden stehen. SUN OF THE DYING haben sich allerdings einem ganz anderen Genre verschrieben, nämlich dem Doom Metal mit deathigen Einschlägen. Mit „The Earth is Silent“ präsentieren die Madrilenen ihren zweiten Longplayer, der ganz im Sinne des Genres von dem Ende aller Hoffnung und Freude erzählt, wenn nur noch Schweigen bleibt.

Das Tempo ist passenderweise zu großen Teilen recht doomig-schleppend, der Schlagzeuger hält seine Konzentration und Aufmerksamkeit in diesen Zeiten mit unterschiedlichem Becken-Einsatz wach, die Bassdrums sind wenig präsent, dumpf in den Hintergrund gemischt und verhindern wie durch eine Wolldecke mehr Brutatlität. Die eingeschobenen schnellen Parts mit Tremolo-Passagen wirken etwas deplaziert und sind eher schwach. Der Gesang bewegt sich zwischen angenehmen Clean-Gesang und tiefen Death-Growls. Hinzu kommen noch Keyboard-Spielereien mit Violinen und Effekten. Stark ist die Band in den doomigen, keyboardfreien Passagen mit den tiefen Growls von Sänger Eduardo. Um nicht langweilig zu wirken haben die Spanier vermutlich mit allen möglichen Spielereien experimentiert, von Keyboards über kurze Blast-Einsätze oder zig unterschiedlichen Riffs in einem Song, doch diese wären nicht nötig, würde man sich allein auf die Stärken konzentrieren, um eine mediativ-ruhige Stimmung zu erzeugen, was die Kernaussage der Band akzentuieren würde – Harmonien passen schließlich wenig zur apokalyptischen Vision. Der Klargesang ist des Weiteren mal angenehm harmonisch, mal etwas neben dem Ton.

An großartige Bands aus diesem Genre wie Ophis oder Nailed to Obscurity reichen die Spanier schlussendlich in weiten Teilen noch nicht heran. Trotzdem zeigen der unbändige Ideenreichtum und der Zwang zur überbordenden Variation, dass sich hier kreative Köpfe verstecken, die vielleicht noch nicht ganz ihren Stil gefunden haben.