BOLZER_Lese_MajestyGenre: Black Metal
Label: Lightning and Sons
Veröffentlichung: 15.11.2019
Bewertung: Bombe (9/10)

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In unserer dualistischen Welt gibt es natürlicherweise zwei Extreme: immer weiterwachsender Bombast oder sich reduzierender Minimalismus. Während andere Bands immer mehr Technik, Schnick-Schnack und Effekte heranziehen, um ein Maximum zu erreichen, gibt es auch Bands, die sich am „weniger ist mehr“-Prinzip orientieren. Wo andere mit drei Gitarristen und zwei Sängern, Violinisten und zwei Schlagzeugen hantieren, halten sich BÖLZER an den Dualismus in ihrem Line-up und produzieren mit zwei Instrumentalisten genug Output, um immer wieder in der Szene zu überraschen. Mit „Lese Majesty“ präsentieren die zwei Schweizer eine weitere EP, um die Wartezeit auf ein zweites volles Album zu verkürzen.

Wie auch schon auf den vorausgegangenen Werken dominiert hier eine Mischung aus modernem Black Metal und konservativen Songstrukturen, ohne zu viel Dekoration – was nicht heißt, dass nicht auch mal ein kleines atmosphärisches Zwischenspiel, nämlich der zweiminütige Output „Æstivation“, drin ist. Effektiv besteht die EP aus knapp 30 Minuten mit, dem vorher genannten „Song“ abgezogen, drei ausgewachsenen Tracks, die im Schnitt etwa acht Minuten dauern. Dass die Schweizer abliefern, was man von ihnen erwartet, zeigt sich im zweiten Song „Into The Temple Of Spears“, der nahtlos an die Vorgängersongs der CD „Hero“ anknüpft. Der Track ist dominiert von Blastbeats, die von ruhigeren Passagen mit dissonanten Gitarrenriffs unterbrochen werden. Der Gesang wechselt zwischen wütendem Gekeife und den BÖLZER-typischen Klargesang, der etwas rituell-klagendes hat und sicher nicht unter technisch brillianten Gesang einzustufen ist, eher als eine Art Urgesang bezeichnet werden kann. Typisch sind die einzelnen hohen Gitarrennoten, die zwischen die Rhythmus-Riffs gestreut werden und neben den ungekrächzten Gesangslinien die melodische Komponente bilden. Die Produktion des bayrischen Five Lakes Studios ist astrein, nicht zu clean, aber auch nicht zu ruppig-garagig. An Hall wurde trotzdem nicht gespart. Erscheinen wird das Ganze übrigens auf dem bandeigenen Label.

Auf dieser EP gibt es definitiv keinen Qualitätsabfall zur letzten CD, weswegen hier ein absolutes Kauf-Muss an alle Fans ausgesprochen werden muss. Natürlich handelt es sich nicht um einen Longplayer, so dass dies hier nur als kleiner Inzentive dienen kann. Und eins noch: vielleicht würden bei anderen Bands auch zwei Leute reichen – zu vermissen gibt es hier nämlich nix.