Dolch_Feuer_CoverGenre: Doom / Ambient Black Metal
Label: Ván Records und Totenmusik
Veröffentlichung: 15.11.2019
Bewertung: Sehr gut (7/10)

Bandcamp

Warum Bands ein Nischendasein fristen, kann das sehr unterschiedliche Gründe haben, eines ist ihnen aber definitiv gemeinsam: solche Combos sind meist sehr speziell und bisweilen schwer zu begreifen. Ván Records haben so etliches im Verkaufskeller gelagert, was sogar für den Underground noch recht Underground ist, so auch (DOLCH), die doch schon seit einigen Jahren geheimnisvoll durch die Szene geistern. Bisher gab es von den Heimischen gerade einmal drei Demos, jetzt erscheint mit „Feuer“ das erste Fulllength-Album, das den Auftakt zu einer Trilogie bildet. Viel lässt sich über die Band nicht in Erfahrung bringen, möchten sie doch, dass ihre Musik für sich alleinsteht und verstanden wird, ohne dass die Vita der Bandmitglieder in den Vordergrund rückt. Auch der Bandname ist eigentlich keiner, sondern nur das Wort für das Dolchsymbol. Und mit klassischem Black Metal hat die deutsche Band ebenso wenig zu tun wie Nergal mit der katholischen Kirche. Das Tempo ist schleppend-doomig, der Sound bisweilen garagig-dronig. Hinzu kommt der weibliche Clean-Gesang, der an schamanische Rituale erinnert und sich drohend-mystisch über die Soundschleier legt und von den düsteren Momenten des Menschens in seinem Scheitern kündet. Die Musik ist vor allem meditativ und repetitiv, sodass der Hörer sich schnell von den Klangwelten eingelullt fühlen mag, ausgefeilte Gitarrenläufe oder Schlagzeugkapriolen sind nicht das Ziel der Band. Neben den dröhnenden Gitarren und dem trüben Schlagzeug bietet die Soundlandschaft Gesangseffekte mit Hall oder auch Violinen, die entgegen ihrer Natur nicht durch die Tonleiter rasen, sondern sich der feierlich-getragenen Stimmung anpassen. Die letzten beiden Tracks sind mit deutschen Texten versehen, ansonsten wird auf Englisch philosophiert. Der metallischste Song des Albums ist „Psalm 7“, die Single des Albums, der einen schönen verzerrten Soundteppich webt, auf dem die Frontdame harmonisch tanzt.

Schlussendlich muss man sagen, dass auch in den Nischen Platz für Hype ist, sodass (DOLCH) sich definitiv nicht um ihre Plattenverkäufe sorgen müssen. Durch die dronige Produktion (aber bei weitem nicht so extrem wie bei dem berühmt-berüchtigten „Bahrelied“ auf dem ersten Demo), die reduzierte und ritualisierte Instrumentalisierung und den cleanen Frauengesang wird das Ganze aber schon sehr speziell und interessant eher nur für die, die sich mit Okkult-Rock, 80er Doom und Drone wohlfühlen – Stichwort KING DUDE oder URFAUST, die Labelkollegen auf Ván Records. Wer auf Geballer, Krach und Gekeife steht, ist hier definitiv fehl am Platze.