Insomnium Tour Like A Grave 2019

Es ist mitten in der Woche und dezent ungemütlich draußen, doch die Markthalle in Hamburg bietet für diesen Tag genau das richtige Programm: INSOMNIUM beehren die Hansestadt und bringen ihre Landsleute STAM1NA und die Kollegen von THE BLACK DAHLA MURDER mit. Na wenn das nicht das perfekte Paket für so einen dunklen Dezemberabend ist…

Eine halbe Stunde nach Einlass entern zunächst STAM1NA die Bühne und geben von Anfang an Vollgas. Während die Band alles daran setzt, ihre Haare in Bewegung zu halten, hält sich das Publikum insgesamt noch zurück, auch wenn hie und da vereinzelt Haupthaar geschüttelt wird. Es lassen sich noch große Lücken innerhalb der Masse ausmachen, doch die Jungs auf der Bühne haben sichtlich Spaß. Alle Instrumente sind gut zu hören, nur der Gesang geht manchmal ein wenig unter. Dieser hätte etwas lauter eingestellt sein können.
Für sie ist es der letzte Termin auf dieser Tour, sodass sie noch mal alles aus sich rausholen. Außerdem ist die Band recht sabbelfreudig, sodass viel mit dem Publikum kommuniziert wird. Gegen Ende lädt die Band noch zu ihrem Merch-Stand zum Gespräch ein und verabschiedet sich nach einem kurzen, aber schnell durchgezockten Set mit einem niedlichen „Tschüss“ vom Publikum.

Nach der Umbaupause betreten die musikalischen Schwergewichte aus den USA die Bühne. THE BLACK DAHLIA MURDER fackeln nicht lange und hauen direkt in die Saiten. Die Jungs ballern ihr Set durch, sodass man sich fühlt, als wäre ein D-Zug an einem vorbeigerast. Das Publikum ist nun zahlreicher vertreten und reagiert mit kollektiven Kopfnicken und mehrmaligem Eröffnen des Pits, was die Band sichtlich freut und sie deshalb die Leute immer wieder dazu ermuntern mitzumachen. Der Sänger hält die Ansagen zwischen den Songs kurz und knackig. Als er fragt, wie viele Zuhörer die Band zum ersten Mal sehen, hebt die Mehrheit die Hand. Die Jungs freuen sich über die Möglichkeit, ihre Musik potentiellen neuen Fans zu präsentieren und machen direkt weiter im Text. Weitere Aufrufe des Sängers zum Mitmachen werden angenommen und umgesetzt. So oft wie Trevor seine Arme überm Kopf hält, könnte man meinen, dass die Durchblutung auf der Strecke bleiben könnte, aber dem ist wohl nicht so. Auch wenn man die Band als Melodic Death Metal charakterisiert, liegt die Betonung doch eher auf „Death“ als auf „Melodic“, was die Darbietung deutlich beweist. THE BLACK DAHLIA MURDER spielen ihr Set souverän durch und verabschieden sich nach gut einer Stunde auch schon wieder.

Die halbstündige Pause ist durchaus nötig, da man bereits ordentlich durch die Mangel gedreht wurde. Und hier mal ein Lob an die Location selbst, denn die Pausenmusik ist wirklich astrein. Es wurde sich nämlich dafür entschieden, eine Playlist mit Musik der Kultserien der Achtziger, wie etwa Miami Vice oder Beverly Hills Cop, laufen zu lassen. Schöner Kontrast zu dem, was auf der Bühne geboten wird.

Aber dann ist es auch endlich soweit und man merkt sofort, wie in der Markthalle das Energielevel ansteigt, als das Intro erklingt. INSOMNIUM, die dieses Mal nur zu viert sind, betreten die Bühne und eröffnen ihren Auftritt mit „Valediction“ vom neuen Album. Das Publikum ist sofort mit an Bord und feiert die Band ab.  Nach einem weiteren neuen Song folgt mit „Through The Shadows“ die erste Reminiszenz auf die älteren Werke der Band. Auch von dieser Songauswahl ist das Publikum begeistert und schwingt enthusiastisch die Haare. Die Band ist spielfreudig und nimmt die Energie des Publikums dankend auf.
Es folgt der Song, von dem man mit Fug und Recht behaupten kann, dass er bis dato der Beste ist, den INSOMNIUM komponiert haben: Pale Morning Star. Die ersten Klänge werden sofort bejubelt und die Band gibt sich voll und ganz dem Song hin. Auch live klingt das Lied absolut episch und grandios. Zwischen den Songs gibt Bassist Niilo seine Deutschkenntnisse zum besten („Dankeschön, bitteschön“) und sagt das nächste Lied an. Im letzten Drittel des Sets tauchen dann auch die erste Crowdsurfer auf, doch die meisten kommen nicht lange in den Genuss, von der Masse getragen zu werden. Mit „In the Groves of Death“ endet der offizielle Teil des Sets, doch das Publikum verlangt natürlich lautstark nach einer Zugabe, welche es auch bekommt.
„The Primeval Dark“ erklingt und jeder weiß, dass gleich ein Publikumslieblings gespielt wird. „While We Sleep“ ist zwar schon ein paar Jährchen alt, aber seine Wirkung verliert es nie: Die Zuhörerschaft reißt wahlweise die Arme oder die Haare in die Luft und zelebriert den Song zusammen mit der Band. Danach schnappen sich die Gitarristen Hüte und leihen sich eine Finnland-Flagge aus dem Publikum aus, um eine besondere akustische Einlage einzuleiten, in der „One for Sorrow“, „Revelation“ und der Anfang von „Heart Like A Grave“ erklingen, letzterer wird dann zum Abschluss in seiner vollen Pracht gespielt.

Ein wirklick gelungener Abend, in dem jede Band ihre Vorzüge präsentieren konnte. Soundprobleme gab es so gut wie keine, weshalb man als Zuhörer ein ungetrübtes Erlebnis vorgesetzt bekommen hat. INSOMNIUM haben natürlich vor allem neue Songs gespielt, aber dies tat der Setlist keinen Abbruch, da das aktuelle Album einfach großartig ist und jeder einzelne Song es wert ist, gefeiert zu werden. Da ging wohl jeder mit einem guten Gefühl nach Hause.

Setlist:

  1. Valediction
  2. Neverlast
  3. Into The Woods
  4. Through the Shadows
  5. Pale Morning Star
  6. Change of Heart
  7. And Bells They Toll
  8. Mute Is My Sorrow
  9. Ephemeral
  10. In the Groves of Death

Zugabe:

  1. The Primeval Dark
  2. While We Sleep
  3. One for Sorrow / Revelation / Heart Like a Grave
  4. Heart Like a Grave