Ragnarok_CoverGenre: Black Metal
Label: Agonia Records
Veröffentlichung: 15.11.2019
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Die norwegischen Veteranen von RAGNAROK gibt es bereits seit den frühen 90ern, dieses Album ist bereits ihr neunter Longplayer. Mit dem Titel für die CD zollen sie ihrer Heimatstadt Sarpsborg im Südosten Norwegens Tribut, denn es ist das Motto („nicht besiegt“) dieser. Im 13. Jahrhundert waren die Norweger wohl lange Zeit im Krieg mit verschiedenen Völkern auf der Gegenseite der Ostsee. Dabei sind ihnen wohl einige Schiffe abhandengekommen, aber in einem Brief an die Schotten machte der Oberpirat und Stadthalter Jarl Alv Erlingsson klar, dass die Norweger sich dadurch nicht schwächen ließen.

Musikalisch ziehen die norwegischen Mannen jedes Black Metal Register und klingen für mich eher schwedisch als garagig-norwegisch. Der Trommler drischt in Lichtgeschwindigkeit auf alles, was er zu fassen bekommt und ist nur schwer zu bremsen. Stark sind auch die Arrangements der Gitarrenriffs, die mit ihren Tremolo-Tönen Wahnsinnsmelodien zaubern, während Sänger Jontho aus den tiefsten Hölleneingeweiden schreit und keift, natürlich mit jeder Menge Hall verfeinert. Sehr stimmig funktioniert auch der Rhythmus zwischen Gesang und Drums, an die sich auch die Basslinie unauffällig anpasst. Insgesamt ist es sehr beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit die Norweger glasklare Melodien auf den Silberling zaubern, ohne den Spannungsbogen des Songs aus den Augen zu verlieren oder unnötige Breaks in die (dis)harmonisch aufeinander abgestimmten Riffs zu zimmern. Pause zum Durchschnaufen ist allerdings nicht drin. Die Songs bewegen sich alle im Bereich bis zu fünf Minuten und es lassen sich keine Längen oder unnötiger Firlefanz feststellen, sodass der Eindruck von Professionalität unbedingt bestehen bleibt.

Die Scheibe ist bestimmt nichts für exzentrische Underground-Tapetrader, dazu sind die Fähigkeiten der Musiker wie auch der feine Sound viel zu ausgefeilt, die Platte sollte also eher den klassischen Black Metaller ansprechen, der nicht auf absolute Trvness gepolt ist. Durch die Wucht und Brutalität, wie auch das unfassbare Tempo der Scheibe ist das aber auch nichts für Mainstream-Metaller, die froh sind, wenn das Intermezzo mal eine kurze Pause vom Höllenlärm macht. Zieht euch die Platte mal auf einem ausgedehnten Spaziergang im Winter rein, bevor ihr zu den Schwiegereltern zum Abendessen aufkreuzt. Einmal anhören wird aber nicht ausreichen, dafür hat die Platte zu viel zu bieten.