Press_Cover_01Genre: Progressive Metal
Label: Century Media
Veröffentlichung: 27.09.2019
Bewertung: Gut (6/10)

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Wer BORKNAGAR nur am Rande mitbekommen hat, mag vielleicht denken, dass das bloß eine weitere nordische Black Metal Band ist, doch dem ist überhaupt nicht so. Es lassen sich auch Black Metal Elemente raushören, aber diese bestimmen noch lange nicht den Sound der Band.

„True North“, bereits das elfte Album der Norweger, fängt ziemlich flott an und erinnert eher an die glorreichen Anfänge des Heavy Metal als an grimmige Musik aus dem Norden, doch auch diese Wurzeln werden hier und da bedient. Auch Lied Nr.2 ist dynamisch unterwegs, sodass man den Eindruck bekommt, dass diese Scheibe sich besonders gut zum Feiern eignen würde. „The Fire That Burns“ klingt dann schon deutlich getragener und epischer und macht das erste Mal Lust auf mehr.

Aber irgendwie wird man beim Hören das Gefühl nicht los, dass es sich hierbei nicht unbedingt um ein harmonisches Soundkonzept handelt, sondern das Album eher zusammengeschustert klingt. Während das Vorgängeralbum „Winter Thrice“ noch in sich geschlossener aufgebaut ist, ist hier etwas nicht ganz an seinem Platz, als wäre etwas verschoben.
„True North“ stellt eine Herausforderung dar. Einerseits sind hier gute Musiker am Werk, die technisch auf einem hohen Niveau arbeiten, andererseits kommt das Album stellenweise eher verwirrend daher, da es so klingt, als hätte man sich nicht zwischen zwei Subgenres entscheiden können. Manchmal gelingt so eine Fusion – im Falle BORKNAGARs jedoch nicht unbedingt.
So werden dem Hörer echt tolle, erhabene Melodien geboten wie in „Mount Rapture“, um dann in einen düsteren Black-Metal-Teil überzugehen. Aber dieser Einschub ist eben nicht schlüssig.

Dieses Album wird wohl also die Zuhörerschaft spalten. Da wären die Fans, die schon „Winter Thrice“ gefeiert haben, und auf der anderen Seite sind die Zuhörer, die nicht so sehr mit der Band vertraut sind. Diese werden sicherlich eine gewisse Zeit brauchen, um in die Musik reinzukommen. Ganz am Ende findet man aber auch noch die Black-Metal-Fans erster Stunde, denen das ganze zu weichgespült ist und den Titel „True North“ nicht nachvollziehen kann, weil man es nicht mehr mit trve norwegian black metal zu tun hat. Für Diskussionsstoff ist jedenfalls gesorgt.