Alcest-Spiritual-Instinct-01-500x500Genre: Post Black Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 25.10.2019
Bewertung: Bombe (9/10)

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Nach drei Jahren veröffentlichen ALCEST ihr nunmehr sechstes Album „Spiritual Instinct“ und trotz geringer Songanzahl hat die Platte eine Menge zu bieten.
Einige Dinge fallen beim ersten Hören direkt auf: Die Songs sind wieder deutlich black-metal-lastiger, was aber nicht bedeutet, dass nicht auch was Neues mit eingebaut wurde. Neige hat dieses Mal Referenzen zum Symbolismus, einer Kunstströmung der Malerei, auf „Spiritual Instinct“ eingeflochten, da sich diese Kunstrichtung viel mit Mythen und Mysterien beschäftigt, was natürlich zum Bandkonzept passt.

Eingeleitet wird das Album mit „Les Jardins de Minuit“, einem sehr gitarrenlastigen Song mit wenig Gesang. Dafür stechen die Gitarrenpassagen natürlich umso mehr heraus.
„L’Île des Morts“ fängt ungewöhnlich mit elektronischen Klängen an, die zwar auffallen, aber sobald der Rest der Instrumente einsetzt, genauso zum Klangbild dazugehören, als hätte sie es schon immer gegeben. Das schaffen auch nicht viele.
Die Songs „Sapphire“ und „Protection“ wurden schon vorab veröffentlicht und insbesondere letzterer bringt den Kernsound von ALCEST auf den Punkt – definitiv ein Highlight auf dem Album.
Die klanglichen Schwerpunkte liegen auf den Gitarren und dem Schlagzeug, trotzdem dominieren sie nicht übermäßig das Klangbild. Der Gesang wird immer genau richtig dosiert, sodass er alles passend ergänzt anstatt zu sehr auf ein Podest gehoben zu werden.

Neige schafft es wie kaum jemand sonst, eine dichte, abwechslungsreiche und sehr stimmungsvolle Atmosphäre in seinen Liedern zu erzeugen, was er auf „Spiritual Instinct“ ein weiteres Mal unter Beweis stellt. Harsche und melodiöse Abschnitte gehen gekonnt und nahtlos ineinander über, ohne dabei ein einfaches Schwarz-Weiß-Bild zu zeichnen. Jeder einzelne Zwischenton wird zelebriert, sodass man nach einmaligem Hören noch längst nicht alle Facetten des Albums erfasst hat. Verträumtheit und Melancholie sind allgegenwärtig, aber genau dafür ist die Band ja auch bekannt und beliebt. Wie der Name des Albums anzeigt, gibt es auch durchaus meditative, ruhige  Momente in der Musik, sodass ein sehr ausgeglichenes Hörerlebnis entsteht. Es ist tatsächlich ein wenig schwierig herauszufiltern, was genau besonders gut gelungen ist, da das Gesamtbild einfach stimmig ist. Viele Fans haben durch den Wechsel zu Nuclear Blast befürchtet, dass sich der Sound der Band zu sehr ändern würde, doch genau das Gegenteil ist der Fall – man kann teilweise von einer Rückbesinnung auf die Wurzeln sprechen, was wiederum viele Fans erfreuen sollte.