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Was gibt es schöneres, als das Jahr mit einem letzten Konzert zu beenden, bevor man sich in die Feiertagsvorbereitungen stürzt? Ganz genau, das war eine rhetorische Frage. Nach sieben geschlagenen Wochen auf Reisen gehen ELUVEITIE, zusammen mit LACUNA COIL und INFECTED RAIN, ein letztes Mal auf die Bühne, um ihre Tour würdig abzuschließen.

Auch diese Show ist ausverkauft und das macht sich selbst im eigentlich recht geräumigen Docks immer sofort bemerkbar. Die Schlange am Einlass ist sehr lang, doch man kommt zügig voran, was man übrigens von der Garderobe zunächst nicht sagen konnte.

Den Abend eröffnen INFECTED RAIN aus Moldavien, die sich momentan mit ihrem neuen Album „Endorphin“ auf dem aufsteigenden Ast befinden. Da wird auch nicht lange gefackelt, denn die Band legt sofort los und reißt das Publikum mit, welches sichtlich Bock hat sich zu bewegen. Die Band präsentiert ihren energiegeladenen Nu Metal und fegt über die Bühne, als wären sie noch mitten in der Tour. Der Sound ist gut abgemischt, sodass jeder der Musiker gut zu hören ist. Gegen Ende des Sets ruft Sängerin Lena noch zu einem Moshpit auf, welcher umgehend in die Tat umgesetzt wird. Die Band wurde sehr gut vom Publikum aufgenommen und konnte mit Sicherheit noch neue Fans hinzugewinnen.

Dann wird es Zeit für den ersten großen Namen des Abends: LACUNA COIL. Die Italiener eröffnen ihr Set mit „Blood, Tears, Dust“, was sichtlich auf Gegenliebe im Publikum trifft. Aber die wird noch gesteigert, als die Band mit dem Klassiker „Our Truth“ weitermacht. Die Band kann ihren fetten Sound auch live wiedergeben, es ist allerdings schade, dass Cristina deutlich lauter zu hören ist als Andrea, sodass seine Growls bzw. Vocals manchmal ein wenig untergehen. LACUNA COIL machen auf der Bühne durch ihre Outfits richtig was her und die Lichtshow kann sich ebenfalls sehen lassen. Alle Mitglieder haben sichtlich Spaß und geben ebenfalls noch mal alles. Nach zwei Auskopplungen aus dem aktuellen Album fordert Cristina das Publikum zum Mitsingen auf, da nun das Depeche-Mode-Cover „Enjoy The Silence“ angestimmt wird. Man merkt, dass der Band ein gutes Cover gelungen ist, da das Publikum immer sofort mitfeiert, sobald das Lied erklingt. Auch bei „Heaven’s A Lie“ wird mitgesungen, was das Zeug hält. Die Meute bleibt in Bewegung, auch wenn es nicht zu ausgedehnten Moshpits kommt. Dafür werden die Arme in die Höhe gereckt, die Haare geschüttelt und es wird mitgeklatscht, selbst wenn die Band nicht dazu aufruft. Zum Abschluss ihres gut durchmischten Sets spielen LACUNA COIL „Nothing Stands In Our Way“, welches abermals stimmkräftig vom Publikum unterstützt wird.

Nach einer recht langen Umbaupause ist nun endlich der Headliner des Abends dran. Zunächst erscheinen nur Schattengestalten hinter einem halbdurchlässigen Vorhang, die zunächst eine Atmosphäre wie bei Heilung verbreiten, da es rein folkloristisch zugeht. Doch es geht nahtlos mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Ategnatos“ weiter und die Leute sind sofort Feuer und Flamme. Nach den ersten zwei Songs richtet Chrigel das Wort an die Zuschauer und bedankt sich für ihr zahlreiches Erscheinen. Dann muss noch entschieden werden, ob „Song of the Mountain“ auf Englisch oder Schwitzerdütsch präsentiert werden soll und da ist sich das Hamburger Publikum schnell einig: Die schwitzerdütsche Version soll es sein. Dementsprechend geht auch vor der Bühne die Post ab. Die Bühne bietet dem Oktett zum Glück ausreichend Platz, sodass sich alle Bandmitglieder frei bewegen können. Auf viel Deko wurde verzichtet, aber das macht nichts, da so die Musik und die Perfomance im Vordergrund steht. Beides kann sich ja auch schließlich sehen lassen. Mit „Worship“ wird einer der richtigen Brecher des neuen Albums gespielt, was sich in der Bewegung der Menge sofort widerspiegelt. Die ersten Crowdsurfer werden emporgehoben und auch sonst bilden sich immer wieder Moshpits, was die Band sichtlich freut. Nach „A Rose For Epona“, einem weiteren Publikumsliebling, folgt „Ambiramus“, wo die Menge, wie von Chrigel gewünscht, noch mehr rumspringt als zuvor. Danach wird ein Drum Solo präsentiert, sodass man erst einmal wieder verschnaufen kann, nur um dann bei „Havoc“ weiter auszurasten. Nach „Helvetios“ verabschieden sich ELUVEITIE kurz, um für zwei Zugaben zurückzukehren. Als letztes Lied erklingt „Inis Mona“, bei dem sowohl Band als auch Zuschauer nochmal alles geben.

Das war wirklich ein grandioser Abend, der das Ende des Jahres nicht besser hätte einleiten können. Alle Bands bedankten sich mehrfach bei der Crew und den Fans für eine erfolgreiche und lange Tour, sodass man hier schon fast von weihnachtlicher Stimmung sprechen konnte. Obwohl die Tour den Bands mit Sicherheit in den Knochen saß, haben sie sich nichts anmerken lassen und durch die Bank hinweg eine klasse Show geliefert. Auch das Publikum war gut drauf und hat bei jeder Gelegenheit gefeiert und mitgemacht, wenn es dazu aufgefordert wurde. Nach diesem schweißtreibenden Erlebnis sind dann alle nach und nach Hause in die Nacht verschwunden.

 

Setlists:

LACUNA COIL
– Blood, Tears, Dust
– Our Truth
– Reckless
– Layers Of Time
– Enjoy The Silence
– The House Of Shame
– Sword Of Anger
– Heaven’s A Lie
– Veneficium
– Save Me
– Nothing Stands In Our Way

ELUVEITIE
– Ategnatos
– King
– De Ruef vo de Bärge
– Deathwalker
– Quoth The Raven
– The Slumber
– Worship
– Artio
– Epona
– A Rose For Epona
– Ambiramus
– Havoc
– Thousandfold
– Breathe
– Helvetios

Zugabe:
– Rebirth
– Inis Mona