Heute haben wir in unserem Interviewformat „SMV und die Wilde 13“ eine Band, die zwar noch relativ am Anfang ihres Schaffensprozesses steht, aber dafür umso größere Ambitionen hat. Schließlich steckt hinter ERIDU aus München schon fast eine Supergroup aus diversen Münchner Metal-Bands und darf als Fortsetzung des Projekts GILGAMESH verstanden werden. Euch erwartet also eine große Portion orientalischen Extreme-Metals. Was es sonst noch zu wissen gibt, erfahrt ihr hier im Interview von Bandkopf Enki:

Eridu

  1. Wie habt ihr Bandname und Logo entwickelt?

Unser Logo wurde von The Maker aus Stockholm designt. Die Symmetrie und Formgebung hat uns sofort angesprochen, daher fiel die Wahl schnell auf ihn. Der Anspruch war, es klar und simpel zu halten, mit einem Schuss Black Metal und einem leicht orientalischen Vibe.

Wer mehr von „The Maker“ sehen will kann gerne seine Instagram Seite auschecken: https://www.instagram.com/william.mkr/

  1. Was muss ein Song haben, damit er auf eurer CD landet? Welche Songs fliegen raus?

Es fliegen gar keine Songs raus. Jeder einzelne Song, der von mir zu Ende geschrieben wird, ist dafür gemacht auf einer CD zu landen. Es passiert jedoch, dass im Laufe des Songwriting-Prozesses Riff- und Melodieideen aussortiert werden. Die aussortierten Ideen kann man dann im Prinzip in zwei Kategorien unterteilen: Die erste Kategorie sind solche Ideen, die es, obwohl sie gut genug sind, nicht aufs Album geschafft haben, weil sie leider nicht in den Kontext von einem der Songs gepasst haben. Beispielsweise ist das Riff, das ab 1:36 bei Slaves of Eridu zu hören ist, mehr als 5 Jahre alt und hat es zuvor nur deshalb nicht auf ein Album geschafft, weil es nie in den songwriterischen Kontext gepasst hat. An dieser Stelle bei Slaves of Eridu sitzt es jedoch genau richtig. Die zweite Kategorie sind solche Ideen, die sich über Monate hinweg als nicht „catchy“ genug herausstellen. Diese lösche ich dann meistens nach gewisser Zeit, weil sie nur unnötiger Ballast sind. Und was ein Song haben muss: Er muss einfach „unique“, gespickt mit kreativen Ideen und „straightforward“ sein und sich außerdem perfekt in die Umgebung einfügen.

  1. Was darf bei einem Live-Auftritt nie fehlen?

Motivation, Energie und Spaß am live peformen. Auf der Bühne ein Instrument zu halten und zu spielen ist nicht schwierig. Wenn man zusätzlich dazu aber noch die Energie der Musik und Performance auf das Publikum übertragen will, muss man selber Bock und Spaß daran haben. Das macht live aus meiner Sicht „den Unterschied“.

  1. Welches Ziel verfolgt ihr mit eurer Musik?

Beinahe verschollene, uralte Geschichte sollen wieder zum Leben erweckt werden, um die kriegerische sumerische Welt der Mythen und Legenden für den Hörer sichtbar zu machen.

  1. Wie seht ihr euren Platz in der Szene?

Unser angestammter Platz ist in München. Hier gelingt es uns auch verhältnismäßig leichter größere Konzerte zu spielen, wie beispielsweise auf dem Dark Easter Metal Meeting am 11.04.2020. Außerhalb von München haben wir einen etwas schwereren Stand. Wir werden zwar hin und wieder gebucht, jedoch leider eher unregelmäßig. Das versuchen wir natürlich zu optimieren und auszubauen. Also liebe Veranstalter, wenn ihr das hier liest und euch der Sound gefällt schreibt, gerne eine Mail an eridumunich@gmail.com. 😀 Wir sind zu jeder Schandtat bereit.

  1. Was nervt euch am Musik-Business am meisten?

Dass es viel zu wenige staatlich subventionierte Locations gibt. Bei vielen Konzerten und sogar Festivals, teilweise sogar solche, die den inneren Kern einer Szene bilden, tragen die Veranstalter, die das in ihrer Freizeit machen, häufig ein enormes finanzielles Risiko. Das sollte staatlich abgefedert werden, so dass es hoffentlich irgendwann finanziell leichter wird, Konzerte zu veranstalten und es insgesamt dadurch deutlich mehr Auftrittsmöglichkeiten gibt.

  1. Wer sind eure Vorbilder?

Die ersten die mir da einfallen sind auf jeden Fall KEEP OF KALESSIN, BEHEMOTH oder MELECHESH (diese Liste ist natürlich nicht ganz vollständig). An KEEP OF KALESSIN schätze ich Obsidians Eigenständigkeit und Kreativität, in der er konsequent bekannte Harmoniekonzepte so erweitert, dass KEEP OF KALESSIN Musik durchgehend „episch“ klingt. BEHEMOTH haben es tatsächlich geschafft, sich mit ihren letzten Outputs komplett neu zu erfinden und trotzdem in altbekannter Qualität abzuliefern. Und MELECHESH Verbinden das Orientalische Thema einfach perfekt mit extremen Metal. So gesehen ist das Ziel mit ERIDU so kreativ und eigenständig zu sein wie KEEP OF KALESSIN, so mutig und erfinderisch wie BEHEMOTH und die sumerische, orientalische Thematik so gut umzusetzen wie es MELECHESH seit jeher gemacht haben.

  1. Wie entstehen eure Texte?

Das ist sehr unterschiedlich. Auf dem Lugalbanda Album war der Ansatz, dass zuerst die kompletten Songs und deren Reihenfolge feststanden. Dann habe ich das Thema ausgesucht, in dem Fall eine Epensammlung über den sumerischen Gottkönig Lugalbanda. Anschließend habe ich mir Gedanken gemacht welcher Song für mich welches Feeling und somit welche Geschichte transportiert und habe das entsprechend lyrisch umgesetzt.

  1. Wenn alles möglich wäre – wie würde euer ultimatives Musikvideo aussehen?

Im Detail weiß ich es nicht, aber eins ist sicher: Es gäbe Pyrotechnik ohne Ende. Da haben wir bereits mit unserem aktuellen Video zu ‚Astral Warfare‘ Blut geleckt. Abgesehen davon gäbe es vermutlich epische Szenen mit Greenscreen, die nur teuer gut aussehen. 😉

  1. Welche Band(s) haltet ihr gerade für völlig unter-/überbewertet? Warum?

Es gibt hier eigentlich nicht wirklich eine Liste, da Geschmäcker einfach verschieden sind. Aber aus persönlicher Perspektive nerven mich Bands, die das Visuelle in den Vordergrund rücken aber gleichzeitig unterdurchschnittliche Musik schreiben/produzieren oder bereits existierende Songs covern. Das entdecke ich leider derzeit in vielen neueren Youtube-Videos.

  1. Wie sieht euer Proberaum aus?

Je nachdem wie viele Bands gerade zur Miete im Raum sind, mal luftiger und mal mehr mit Equipment zugestellt. Länglicher Raum, hohe Decke, hohe Schränke voll mit Boxen, Amps, Drumzubehör und Merch. Im Prinzip ist es ein 40 qm großer Raum in einem Komplex, in dem dutzende Proberäume Raum an Raum koexistieren, ähnlich wie in einer Legebatterie. Hin und wieder hört man zwar eine Band im Nebenraum, aber das stört uns dann nicht weiter, weil wir ohnehin lauter sind. 🙂

  1. Wann habt ihr die meisten/besten Ideen für neue Songs?

Wenn ich absolut keine Zeit habe Songs und Riffs zu schreiben und mich dringend um andere Dinge kümmern muss. Der Reiz des Verbotenen?

  1. Was ist der Stoff, aus dem eure Alpträume sind?

Eine zerbrochene Tontafel von unschätzbarem Wert oder kein Bier bei einer Live-Show zu haben.