Eine neue Runde „Die Wilde 13“ steht an und dieses Mal stehen uns die Viking Metaller STRYDEGOR Rede und Antwort. Die letzte Veröffentlichung „Enraged“ liegt zwar bereits knapp sechs Jahre zurück, allerdings regt sich etwas im Hause STRYDEGOR und wenn man der Facebookseite der Band aus Mecklenburg-Vorpommern vertrauen kann, dann steht womöglich dieses Jahr der Nachfolger in den Startlöchern. An der Livefront sind bereits diverse Dinge wie das Hamburger Metal Bash Festival 2020 bestätigt, was den Verdacht erhärtet, dass Bewegung in der Sache ist. Mit mittlerweile 13 Jahren Bühnenerfahrung und Touren sind STRYDEGOR definitiv eine fest etablierte Truppe und wissen genau worauf es ihnen ankommt: Intergalaktische Nashorn-Polonaisen. Aber lest selbst.

Strydegor Promoshot 2

1. Wie habt ihr Bandname und Logo entwickelt?

Flo hatte 2007 zusammen mit einem Freund die Idee, eine Black Metal Band zu gründen und man entwickelte aus einer Schnapsidee den Namen STRYDEGOR und eine dazugehörige Story rund um Wikinger, Krieger, Met – also alles, auf das man mit 17-18 so stand. Der Name gefiel uns aber so gut, dass wir ihn seitdem für das eigene Projekt nutzen.
Das Logo haben wir in den Jahren seit der Gründung öfter einmal geändert – je nachdem in welche Richtung sich STRYDEGOR gerade entwickelt hat. Das letzte Logo haben wir bewusst schlicht und durchsetzungsstark gewählt – nur Schrift, nichts weiter.

2. Was muss ein Song haben, damit er auf eurer CD landet? Welche Songs fliegen raus?
So viele Songs fliegen gar nicht raus. Im Gegenteil: Wenn wir das Gefühl haben, dass ein Song nicht zum Konzept passt, nutzen wir eventuell nur einzelne Melodien oder Riffs bzw. heben uns den Song für das nächste Album auf.
Für uns muss ein Song vor allem zwei Sachen haben: Eine Melodie die ins Ohr geht, kombiniert mit harten Gitarrenriffs zum ordentlichen Headbangen.

3. Was darf bei einem Live-Auftritt nie fehlen?

Strom, hehe… Uns ist vor allem wichtig, von der ersten bis zur letzten Sekunde Vollgas zu geben und der Person in der hintersten Ecke des Raumes, die skeptisch Richtung Bühne schaut, ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Vor allem der Spaß an der Musik darf nie fehlen!

4. Welches Ziel verfolgt ihr mit eurer Musik?

Jeder in der Band hat natürlich seine eigenen musikalischen Ziele. Natürlich in erster Linie sich künstlerisch selbst zu verwirklichen und gemeinsam als Gruppe etwas zu erschaffen – das steht immer im Vordergrund. Außerdem wollen wir so viele Menschen wie möglich erreichen, um auf STRYDEGOR aufmerksam zu machen, dadurch viele tolle Konzerte zu spielen, Menschen kennenzulernen und Erfahrungen zu machen. Als Band und als Freunde.

5. Wie seht ihr euren Platz in der Szene?

Uns gibt es jetzt nun doch schon einige Jahre. In den fast 13 Jahren seit der Gründung haben wir auch schon viele Bands und Fans kennengelernt und zu vielen hat sich dadurch auch eine richtige Freundschaft entwickelt. Wir selbst können das ja gar nicht so objektiv einschätzen, wo genau wir in der Szene stehen, aber es kommt doch sehr oft vor, wenn wir im Gespräch mit anderen Metalfans sind und der Name unserer Band fällt, dass sie schon einmal von uns oder unserer Musik gehört haben und das macht uns sehr stolz.

6. Was nervt euch am Musik-Business am meisten?

Aus künstlerischer Sicht können wir schon sagen, dass der Großteil von dem, was heutzutage als „Musik“ betitelt wird stumpfer Einheitsbrei ist und ausschließlich dazu dient beim Hemden bügeln nicht einzuschlafen. Wenn man so wie wir den Anspruch hat, Songs zu schreiben, die über den „Strophe-Refrain-Bridge-Refrain-Ende“-Ablauf hinweg gehen, dann ist es schon eigenartig zu sehen, wie nur ein geringer Großteil der „Konsumenten“ dieses Handwerk auch wirklich zu schätzen weiß. Aber Geschmäcker sind nun mal verschieden und das ist auch gut so. Aber was vermutlich am meisten nervt ist die fehlende Authentizität der Bands und Künstler. Man versucht krampfhaft etwas darzustellen, was nicht dem eigenem Selbst entspricht, wodurch man sich unglaubwürdig und auch unglücklich macht – alles unter dem Deckmantel des „Erfolgs“.

7. Wer sind eure Vorbilder?

Vorbilder haben wir so einige und nicht nur in musikalischer Hinsicht. Bands der alten Thrash- und Heavy-Metal Schule wie IRON MAIDEN oder METALLICA gehören genauso dazu, wie auch Bands, die total aus der Reihe tanzen. Sei es nun GENESIS oder manch einer von uns sogar NICKI MINAJ, hehe. Aber viele Größen des letzten Jahrtausends spiegeln sich in irgendeiner Form in unserer Musik wieder. Ob nun Lennon oder Steve Jobs … irgendwo erkennt man immer mal wieder Menschen, zu denen man aufschaut und das treibt uns an, immer weiter am Ball zu bleiben.

8. Wie entstehen eure Texte?

Damals – das klingt jetzt so als wären wir sonst wie alt – entstanden viele unserer Songs aus dem Interesse für alte Sagen und Mythen rund um die Ostsee und unserer Heimat Mecklenburg-Vorpommern. In den letzten Jahren hat sich das aber sehr gewandelt, weil es in der heutigen Zeit genügend interessante und auch wichtige Dinge gibt, über die man singen kann und was uns bewegt. Die Texte entstehen oft aus einem Bild im Kopf oder einer Textpassage, die uns so in den Sinn kommt. Aus diesen Wortfetzen entwickeln wir dann ein Thema oder eine Geschichte. Da die Songs meist schon fertig geschrieben sind, entsteht der komplette Songtext dann um die Riffs und Melodien herum – einen catchigen Refrain dazu und fertig.

9. Wenn alles möglich wäre – wie würde euer ultimatives Musikvideo aussehen?

Elvis und Lennon die in Hawaiihemden bekleidet auf einer übergroßen Gummiente in einem Pool sitzend Cuba Libre aus Kokosnüssen schlürfen und im Hintergrund intergalaktische Weltraum-Nashörner eine Polonaise tanzen … oder irgendwas mit Marionetten. So wie in der Augsburger Puppenkiste. Auf jeden Fall mal was ganz anderes als sonst.

10. Welche Band(s) haltet ihr gerade für völlig unter-/überbewertet? Warum?

Das ist eine schwierige Frage, da es leider in beide Richtungen so unendlich viele Bands gibt. Ich spreche da jetzt mal nur aus meiner (Flo) Sicht:
Aus künstlerischer Sicht habe ich echt Respekt davor, dass andere Musiker sich den Arsch abspielen. Aber wenn ich so zurück denke an die Zeit als wir angefangen haben, haben gerade unsere „Helden“ von damals – AMON AMARTH – mit den letzten Alben irgendwie an Charme verloren. In gewisser Weise, was schon beim Musikbusiness oben angesprochen wurde – ein Stück weit „0815-Standard-Mucke“, obwohl das letzte Album doch wieder ein Stück in die richtige Richtung ging.
Die Band, die zumindest für mich derzeit vermutlich noch nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient hätte, sind ANY GIVEN DAY aus dem Ruhrpott. Die Musik hat Druck aber auch die nötige Atmosphäre und Melodie und passt sowohl auf kleine als auch große Bühnen.

11. Wie sieht euer Proberaum aus?

Wir haben das Glück in einem vollständig ausgestattetem Studio zu proben. Unser Freund und Studioboss, der nebenher noch bei DARRAGH (dem Prog-Rock-Projekt von Flo) Bass spielt, hat uns vor einiger Zeit angeboten unseren Hauptsitz direkt ins Studio zu verlegen und so haben wir nicht nur den nötigen Platz und die nötige Ruhe für ausgiebige Proben sondern können auch direkt loslegen und neue Ideen aufnehmen. Das vereinfacht unser Schaffen immens und dafür sind wir auch sehr dankbar. Ansonsten findet man dort auch alles, was man in anderen Proberäumen auch findet: Bier, Platten und Pizza.

12. Wann habt ihr die meisten/besten Ideen für neue Songs?

Da gibt es eigentlich keinen genauen Zeitpunkt. Wenn die Inspiration so über einen rollt, dass ist es wichtig es gleich festzuhalten. In Zeiten von Smartphone usw. ist das ja zum Glück kein Problem mehr und so findet dann ein Riff oder Rhythmus schon gleich den Weg in die bandeigene Social-Media Gruppe. Der Großteil der Riffs und Songstrukturen stammt von Flo, der Rest der Band ist aber ebenso am Schaffensprozess beteiligt und gibt seinen Senf dazu. Wenn eine Passage an eine andere Stelle passt oder statt des einen Drum-Rhythmus ein anderer gespielt werden sollte, so testen wir das zusammen aus, bis alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Das hat sich vor allem im Songwriting zu unserem bald erscheinendem viertem Album sehr gut herauskristallisiert. Ihr dürft gespannt sein!

13. Was ist der Stoff, aus dem eure Alpträume sind?

Klare Antwort: Kunstfaser! In Zeiten von Klimawandel und Umweltverschmutzung ein klares No-Go! Aber um ehrlich zu sein, Alpträume sind auch nur ein Ventil unsere Gedanken und Erlebnisse zu verarbeiten. Und ab und an kommt durch einen Alptraum vielleicht auch eine gute Songidee bei raus. Solange wir gemeinsam das tun, was uns Spaß macht – Musik machen, Spaß haben und die Welt entdecken – solange brauchen wir uns um so etwas wie Alpträume keine Sorgen machen.

Vielen Dank für das Interview. Love and Peace!