delain_apocalypse-and-chill_album-coverGenre: Symphonic Metal
Label: Napalm Records
Veröffentlichung: 07.02.2020
Bewertung: Bombe (9/10) 

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Was haben die Niederländer bloß in ihrem Trinkwasser, dass sich dort so viele hervorragende Symphonic Metal Bands tummeln? Das werden wir wohl nie erfahren, aber umso besser, dass man als Hörer regelmäßig mit qualitativ hochwertigen Alben beschenkt wird.
Nach vier Jahren liefern DELAIN ihr nun sechstes Album ab, welches sich ausgereifter und facettenreicher als die Vorgänger präsentiert.

Den Anfang macht das eingängige „One Second“, welches einen sofort ansteckt und Lust auf mehr macht. Gitarrist Timo Somers gibt hier sein Frontgesang-Debüt und er macht seine Sache wirklich gut. Gleich im nächsten Song kommen die vermehrt eingesetzten elektronischen Elemente deutlich heraus, welche nicht nur gut zum Narrativ des Albums passen, sondern auch die Entwicklung der Band zeigen.
Die Kompositionen sind insgesamt abwechslungsreicher gestaltet und es wurde auch viel mit dem Gesang experimentiert, sodass man nicht nur auf kraftvolle, glasklare Wohlklänge setzt, sondern verschiedene Techniken ausprobiert. Das Experiment ist gelungen, da das Album dadurch frisch und modern klingt, ohne prätentiös zu wirken.

DELAIN haben schon immer eingängige Songs geschrieben, für manche zu eingängig. Aber das ist Teil der Handschrift und diese findet sich auch auf „Apocalypse & Chill“ wieder, nur eben gereifter und durchaus anspruchsvoll. Die neue Platte bietet so einige richtig gute Kracher wie „Burning Bridges“, „Masters of Destiny“, „Vengeance“ und das rammsteinig anmutende „To Live is to Die“. Da schwingt der Kopf von alleine mit, die Gitarren klingen wuchtig und Chöre sorgen für das letzte Quäntchen Epik. Dementsprechend macht das Album so richtig Spaß, wenn man die Lautstärke aufdreht. Doch die Band kann auch ruhig und gefühlvoll, wie mit der Ballade „Ghost House Heart“ bewiesen wird – ein ähnliches Kaliber wie „See Me in Shadow“ vom Debütalbum.
Eine weitere Überraschung bietet das letzte Lied „Combustion“, welches ein Instrumental ist. Das hat es bei den Standardversionen der Alben bisher noch nicht gegeben. Die Instrumentalisten durften sich also mal austoben und auch da machen die Jungs eine gute Figur.

DELAIN haben sich deutlich weiterentwickelt. Anscheinend haben sich die vier Jahre Wartezeit ausgezahlt, da die Niederländer ein gut austariertes und abgemischtes Werk abliefern, welches Progression zeigt, ohne den Kernsound zu vernachlässigen. Man hat sich nicht gescheut, etwas zu wagen, neue Einflüsse miteinzubauen. An Heaviness wurde nicht gespart, sodass es genügend Momente gibt, um die Haare mal wieder ordentlich fliegen zu lassen. „Apocalypse & Chill“ ist ein melodiöses, kraftvolles und energiegeladenes Album, auf dem kein einziger Song stört und  welches man gut in einem Rutsch hören kann.