Pietro Lombardi - Lombardi AlbumcoverGenre: Progressive Blackend T(h)rash Pop-Core
Label: Universal Music Germany
Veröffentlichung: 20.03.20
Bewertung: 11/10 (Gottgleich)

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Da sag noch mal jemand, dass die deutsche Popkultur mittlerweile nur aus dem immer selben Einheitsbrei besteht. Der ehemalige DSDS-Sieger PIETRO LOMBARDI legt mit seinem schlicht als „Lombardi“ betiteltem neuen Album ein neues Zeugnis an bahnbrechender Kreativität vor. Dass sich auch hier wieder Erfolge jenseits von Gut und Böse einstellen werden steht mit dem Namen bereits festgeschrieben. So verkaufte sich das Vorgängeralbum „Ein Teil von mir“, welches mit seiner Ex-Frau SARAH ENGELS entstand, sage und schreibe 43,7 Milliarden Mal. Der Kenner merkt, ich spreche hier nicht nur vom Planeten Erde. Auf dem Album tummeln sich natürlich, wie es sich für einen gestandenen Solokünstler gehört, illustre Gäste. So verstärkt beispielsweise niemand geringeres als GIOVANNI ZARRELLA (ex-Bro’Sis) den Karlsruher Qualitätsbarden im Song „La Familia“ und auch die Speerspitze des deutschsprachigen Hip Hop KAY ONE veredelt mit seiner Wortakrobatik das Album beim Titel „Senorita“, welcher auch die erste offizielle Singleauskopplung darstellte.

Bereits mit den rhythmisch anspruchsvollen Pfeifern des ersten Titels „Nur Ein Tanz“, des karibisch anmutenden Beats, unter Nutzung der völlig unverbrauchten Standard 2-3er Clave (Link), stellt sich unmittelbar heraus, dass Herr Lombardi ein Virtuose in allen Sparten ist und sich deutlich von der Masse abhebt. Das hat so wohl noch niemand gemacht. Besonders Zeilen wie „Du bist Highclass, weil du Style hast“ gehen runter wie heißes Frittierfett nach Konsum eines Kilos Reißzwecken. Doch nicht nur hier zeigt sich das lyrische Genie des Ausnahmekünstlers. Im Song „Phänomenal“ schmettern einem Zeilen wie „So phänomenal, bist erste Liga so wie Real“ oder „sie weiß, was sie tut, sie ist ultra heiß, mit jeder Berührung schmilzt das Eis“ entgegen und der Künstler ergießt sich aus allen Rohren der akustischen Erotik. Da bleibt keine Unterhose trocken. Übrigens, geile karibische 2-3er Clave im Beat, die ist so schön unverbraucht.

In „Bella Donna“ wird erneut die weibliche Schönheit besungen. Von der bislang völlig unverbrauchten karibischen 2-3er Clave eingelullt, verfällt man spätestens jetzt spielend leicht dem Charme des Albums. Ebenso wie im Titel „Standort“, bei dem sich der Beat erneut völlig vom Rest unterscheidet und so den Hörer neuerlich herausfordert. Die völlig unverbrauchte karibische 2-3er Clave hält auch hier wieder Einzug, während darüber ungeahnte Melodiebögen gespannt werden, die man auf Super RTL nicht besser in der Werbung für ein Y-Promi Stickerheft spielen könnte. Ein letztes Beispiel für die Großartigkeit des Werkes liefert das in der Einleitung angesprochene „Senorita“ feat. KAY ONE. Nicht nur findet man auch hier die rhythmisch völlig unverbrauchte karibische 2-3er Clave im Beat wieder, sondern auch die für das jüngere Publikum geeigneten Zeilen „Schick deinen Ex weg, bist du bei mir hau ich dich direkt weg.“ versprechen garantiert prasselnde Erlebnisse. Dass sowohl Pietro als auch Kay One keine oberflächlichen Proleten sind, wird dann durch die Zeile „Rapper wollen über Geld reden Schatz, doch nur ich zeig dir die schönsten Hotels in der Stadt“ unmissverständlich klargestellt. Hier geht es nicht um Geld, vergängliche Schönheit oder einen ausschweifenden Lifestyle, hier geht es um wahre Werte und Dinge, die jeder kennt und selbst bereits erlebt hat. Wer von uns ist noch nicht durch Costa Rica mit einem Lamborghini gefahren, während man eine attraktive Person neben sich zu sitzen hat und in die schönsten Hotels eincheckt, die das Land zu bietet? Das sind wahre, greifbare Erlebnisse aus dem Bürgertum heraus.

Warum Senor Lombardi mit seinem unglaublich vielseitigen Album letztlich nur auf Platz 2 der deutschen Charts gelandet ist, bleibt nach wie vor ein Rätsel. Auf Platz 1 findet sich letztlich nur eine unbekannte Rockertruppe aus dem Nichts. Hat denn hier keiner mehr Ahnung von guter Musik?