Metalheads aller Länder vereinigt euch! ANGELCRYPT aus Malta setzen mit ihrem neuen Album „Dawn of the Emperor“ zum Sprung über das Mittelmeer an und feuern melodisch akzentuierten Death Metal aus den Kanonenrohren. Das Gitarrenduo der Band, bestehend aus Shawn Mizzi und Peter Gerch, hat sich die Zeit genommen um mit uns über Metal als weltweites Phänomen, die Geschichte von Malta und den Status Quo der Band zu plaudern.

Angelcrypt

Zunächst vielen Dank für eure Zeit. Wenn man an Malta denkt, verbindet man nicht unbedingt direkt Death Metal und aggressive Musik mit dem Land. Wie ergab es sich, dass ihr zu diesem Stil gefunden habt und wie sieht die Szene in Malta aus?

Shawn: Zunächst vielen Dank für das Interesse an uns als Band.
Es stimmt; Malta ist eher für seine sandigen Strände und heißen Sommer bekannt, aber wie du weißt, kann man Heavy Metal in jeder Ecke der Welt finden. Seitdem ich denken kann, bin ich ein Metalhead.
Die Metalszene in Malta ist klein, aber dafür sehr leidenschaftlich. Von den etwa 500.000 Einwohnern der Insel sind, schätzungsweise, 400 bis 500 Leute regelmäßig bei Metalevents anzutreffen und ich würde sagen, dass es viele gibt, die Metal eher als passive Hörer wahrnehmen.
Es gibt etwa 30 – 40 aktive Metalbands, von denen einige auch außerhalb des Landes bekannt sind. Traurigerweise existiert nur eine einzige Location, in der auch Metalevents ausgerichtet werden, dies sind etwa 4 oder 5 Festivals, die jedoch nur im ein bis zwei Jahrestakt stattfinden. Ich organisiere beispielsweise das SHELLSHOCK METAL FESTIVAL (Link), wohingegen die Band der offizielle Gastgeber für Malta bei der Initiative METAL UNITED WORLD WIDE (Link) geworden ist. Außerdem kommen auch viele ausländische Bands zu uns, die ihren Aufenthalt in einen kurzen Urlaub verwandeln.

Gibt es innerhalb der Band eine gemeinsame Philosophie, der ihr folgt?

Shawn: Die beste Musik zu schreiben und die besten Shows zu spielen, die wir können. Kein Drama, kein Bullshit, keine Zeitverschwendung. Wir haben unterwegs eine Menge Spaß, aber sobald wir die Bühne betreten geht‘s ab.

Was genau macht die Faszination am 1. Weltkrieg aus und was beinhaltet für euch der Begriff „Krieg“?

Peter: Als Joe 2014 zur Band stieß, haben wir ihm freie Hand in der Thematik der Texte gelassen. Er wollte der Band nicht nur eine Identität geben, sondern auch einen lyrischen roten Faden. Es gibt eine Reihe an Gründen, weshalb er seine Inspiration aus dem ersten Weltkrieg zieht: 2014 markierte den 100. Jahrestag des Kriegsbeginns, außerdem hat er eine Faszination für die Gedichte von Wilfred Owen und eines seiner Familienmitglieder diente während des Krieges als Scharfschütze.

Ich denke die Bedeutung von „Krieg“ hat sich mit der Zeit verändert. Begonnen mit bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Gruppen von Personen, hin zu nuklearen und biologischen Konflikten und dem Zeitalter des Cyber-Terrorismus und Hackerangriffen. Selbst in diesem Augenblick befindet sich die Welt im „Krieg“ mit einem unsichtbaren Feind, einem Virus, das bereits über 370.000 Menschen das Leben gekostet hat und eine immense ökonomische Krise auslöste. Zudem kann man eine kriegerische Handlung nur in der Gesamtheit verstehen, wenn man die zugrunde liegenden Auslöser und Ideale der verschiedenen Parteien nachvollziehen kann.

Das erste Album ist hörbar der alten Death Metal Schule angelehnt, weist aber auch Einflüsse des klassischen Heavy Metal auf. Gibt es musikalische Grenzen, in denen ihr euch bewusst bewegen möchtet und Dinge, die für euch niemals in Frage kommen werden?

Peter: Als Band wollen wir unseren Wurzeln treu bleiben (mit dem Schwerpunkt auf Melodien), allerdings wollen wir auch Material schreiben, welches, gemessen am heutigen Standard, aktuell, zeitbezogen und gleichzeitig modern klingt. „Dawn Of The Emperor“ ist ein großer Schritt in Richtung Melodic Death Metal mit einzelnen Thrash-Elementen.
Ich denke, unsere Grenzen werden daran gemessen, ob sie uns als Band voranbringen oder nicht. Unsere musikalische Ausrichtung war dahingehend ein organischer Prozess und keine bewusste Entscheidung.

Worin unterscheidet sich, abgesehen vom Sound, das erste und das zweite Album? Gab es andere Ansätze oder Vorstellungen?

Peter: Unser Ansatz beim Schreiben von „Dawn Of The Emperor“ war simpel: Songs schreiben, die heavy, kraftvoll und headbangtauglich sind, gleichzeitig aber auch unsere melodische und emotionale Seite zeigen. Wir scheuen uns nicht davor, mit unserem Sound oder unüblichen Ideen zu experimentieren. Beispielsweise war das Intro unserer letzten Single „Martyred Soul“ in keinster Weise als Bass-Lead geplant, aber wir wollten es riskieren, weil es einfach cool klang. Auf dem gesamten Album findet man ähnliche Herangehensweisen. Wir werden sehen, ob diese am Ende funktionieren oder nicht.

Laut offiziellen Angaben stieß Gitarrist Peter Grech im Jahr 2017 dazu, ein Jahr nach der Veröffentlichung von „We Are The Dead“. Wie ergab sich sein Eintritt in die Band und welchen Einfluss hatte dieser?

Shawn: Wir haben Peter eine Woche vor seiner Hochzeit in die Band geholt (ein mutiger Mann). Seitdem hatte er einen massiven Einfluss auf die Musik. Nicht nur beeindruckte er uns mit seiner professionellen Arbeitseinstellung, sondern auch mit seinen neuen Ideen und seinem Spielstil, wobei wir als Gitarristen völlig verschiedene Einflüsse haben. Seine Art zu spielen hat der Band eine völlig neue Ebene an Heaviness verliehen, was man auch auf „Dawn Of The Emperor“ deutlich heraushören kann. Während wir als Band versuchen, unsere melodische Handschrift zu bewahren, stattet uns Peter mit seinen super druckvollen Riffs bestens aus.

Angelcrypt 2

Das neue Album „Dawn Of The Emperor“ erscheint über Boersma Records. Wie seid ihr auf das Label aufmerksam geworden und wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Peter: Wir wussten das Sascha (Boersma – Gründer von Boersma Records) uns 2018 auf einem Festival in Andernach auf der Bühne gesehen hat, also haben wir ihn etwa im September 2019 kontaktiert und der Rest ist sozusagen Geschichte. Sowohl das Label, als auch der Vertrieb war uns gegenüber sehr zuvorkommend und die Professionalität und Arbeitsweise soll hier lobend erwähnt werden.

Wie ist eure persönliche Meinung zu Streamingdiensten? Bevorzugt ihr immer noch physische Kopien von Alben oder ist es vielleicht sogar mittlerweile umgekehrt und warum?

Peter: Streamingdienste sind sehr nützlich und ermöglichen den ungehinderten und direkten Zugriff auf alles, was du hören möchtest und wann du es möchtest. In Anbetracht des Verhältnisses zwischen einem Abonnement dort und dem Angebot, welches man für denselben Preis bei einer normalen CD bekommt, muss man abwägen. Die marktwirtschaftliche Reichweite von Streamingdiensten ist essenziell, wenn du deine Musik einer breiten Masse zur Verfügung stellen möchtest. Der Tauschhandel besteht darin, durch die Zugänglichkeit an Qualität zu verlieren.
Schlussendlich, sei es Streaming, CD oder Vinyl, ist keine Möglichkeit zu 100% perfekt. Während ich zwar die Klangqualität und Beständigkeit einer CD bevorzuge, weiß ich dennoch die Zugänglichkeit und Flexibilität von Streaming zu schätzen.

Wenn man die Bandhistorie betrachtet, fällt auf, dass es seit der Gründung im Jahr 1997 (damals noch als RATTLESNAKE) zunächst 19 Jahre lang kein Full Length Album gab. Was war der Grund dafür?

Shawn: Ich habe die Band 1997 gegründet, als wir noch Kinder ohne wirkliche Richtung und musikalische Möglichkeiten waren. Aber wir hatten einen Traum: Eine großartige Band zu werden. Als Band war ANGELCRYPT in all den Jahren stets aktiv. Wir haben kontinuierlich Auftritte gespielt und Musik geschrieben.
Das größte Problem war vielmehr, die richtigen Leute mit der richtigen Denkweise und der richtigen Einstellung zu finden, mit denen man gut zusammen arbeiten und das Projekt vorwärts bringen kann. Es hat sich für mich sehr schwer gestaltet, ein stabiles Line Up zu etablieren. Jedes Mal, wenn wir versucht haben, eine Single oder eine EP aufzunehmen (was zu einem normalen Album geführt hätte), gab es Unstimmigkeiten und Besetzungswechsel fanden statt, was die Band zwang, wiederkehrend von vorn zu beginnen. Glücklicherweise habe ich nach 20 Jahren, in denen ich versucht habe, ANGELCRYPT erfolgreich zu machen, die perfekte Besetzung mit den richtigen Leuten und der richtigen Einstellung gefunden, die das Ergebnis liefern, welches man heute hören kann.

Warum ist gerade das auf Malta gesprochene Englisch das beste Englisch auf dem Globus?

Peter: Interessante Frage. Da Malta bis 1936 eine britische Kolonie war, wurden sowohl Maltesisch als auch Englisch als Amtssprachen festgelegt. Obschon wir allermeist auf Maltesisch kommunizieren, sprechen nahezu 90% der Menschen in Malta Englisch. Englisch wird in den Schulen bereits sehr früh unterrichtet und der Unterricht findet auf Sekundar- und Hochschulebene größtenteils auf Englisch statt.

Springen wir zurück ins hier und jetzt: Welche Pläne hab ihr für die nähere Zukunft? Ist womöglich, aufgrund der Corona-Krise, bereits das nächste Album in Arbeit?

Shawn: Aufgrund der CoVid-19 Pandemie waren wir wie viele unserer Kollegen gezwungen, alle Shows für dieses Jahr abzusagen. Jedoch haben wir zuletzt einige Festivaltermine für Oktober in Deutschland bestätigen können. Also Finger und Zehen drücken! Wir lieben es, Liveshows zu spielen und vermissen die Bühne wie verrückt.
2021 werden wir nutzen, um für das neue Album „Dawn Of The Emperor“ ausgiebig zu touren und die Platte anständig zu bewerben. Durch die Zeit, die wir aktuell zur Verfügung haben, konnten wir eine großartige Online Werbekampagne fahren. Außerdem nutzen wir die Zeit, um Ideen, Riffs und Melodien für das nächste Album auszutauschen. Wir wollen den größtmöglichen Nutzen aus der derzeitigen schwierigen Situation ziehen und so produktiv wie möglich während unserer „Freizeit“ sein.

Danke für eure Antworten und den Blick in euer Schaffen!