Armagenda - Seelentyrann CoverGenre: Death Metal/Thrash Metal
Label: Selbstveröffentlichung
Veröffentlichung: 06.09.19
Bewertung: 7/10 (Klasse)

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Hoch vom Norden kommen sie her! Der in Wismar ansässige Trupp ARMAGENDA veröffentlichte bereits im September letzten Jahres sein Zweitling „Seelentyrann“. Trotz des länger zurückliegenden Release-Datums gebührt ihnen Aufmerksamkeit, so wird doch der Nordosten des Landes, in Sachen aktive und releasende Bands, recht oft als gewisses Loch auf der Metal-Karte wahrgenommen. Ursprünglich formierte sich ARMAGENDA aus den Überresten der Metalcore/Thrash Band FIRST BORN BLOOD, mit der man allerdings nur die EP „Welcome To The Age of Hate“ hervorbrachte. 2011 wurde schließlich der Reset-Knopf gedrückt und drei Jahre später das Debüt „Des Chronisten Abgesang“ veröffentlicht. An diesem Titel bereits zu erkennen ist, dass ARMAGENDA ihre Texte in der Muttersprache verfassen, diese sich aber fernab jedweder Schmalzigkeit oder gehobener Theatralik bewegen. Nun, geschlagene fünf Jahre später (wir hier oben brauchen einfach immer etwas länger), steht der Zweitgeborene am Start. Stilistisch lassen sich die Nordlichter grob zwischen Death und Thrash einsortieren, sind dabei aber stets melodisch und haben ebenfalls keine Scheu diverse andere Genres zu tangieren, so diese denn ins Konzept passen und dem Song dienen. Aber genug der Worte, lasset Taten sprechen.

Das militaristische Intro „Evidenz“ bereitet den Weg für den Song „Beichtstuhl“. In jenem geht es auch direkt sehr thrashig zu Werke. Ebenfalls lassen sich leichte Querverweise in Richtung klassischer Heavy Metal im Riffing nicht verneinen. Abseits dessen ist der Sound schön dick, allerdings nicht zu glatt poliert, was definitiv ein Plus in Sachen Authentizität ist. Insgesamt hält sich der Song eher in groovigen Gefilden auf und streift sehr sachte am Ende den Black Metal. Flotte Nummer für einen guten Einstand.

„Monstrum Erdengast“ geht als nächstes noch deutlicher angeschwärzt und grimmiger seinen Weg. Irgendwie fühlt man sich an ältere Glanztaten von TESTAMENT erinnert. Bloß mit deutlich tieferen Gesang. Der Refrain lädt ordentlich zum Grölen ein und markiert mit seinem Tempo und der Zeile: „Du bist die Wurzel allen Übels“ einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten. ARMAGENDA machen hier insofern alles richtig, indem sie sich nicht mit viel allzu viel Schnickschnack aufhalten, sondern konzentriert auf den Punkt spielen ohne die Wirkung der einzelnen Parts zu verwässern.

„Insomnia“ lässt den Küstenmotor der MS „Melo-Death“ weiterrattern und schält aus seinem Schiffsteer einen Bastard zwischen bösen Melodien und treibenden Drums. Einen Anker in Sachen Wiedererkennungswert ist den Smutjes hier zwar nicht unbedingt gelungen, da der Enterhaken an den markanten Stellen etwas sein Ziel verfehlt hat, jedoch kann man der Truppe nach dem steilen Einstieg in die Platte nicht unbedingt attestieren das sie ihr Pulver verschossen haben. Denn unmittelbar danach folgt mit „Intriganz“ ein verschachtelter Knaller.

Die einzelnen Parts verweben sich hier zu einem ziemlich dicken Teppich. Während die Gitarren zwischen den inzwischen zu Grabe getragenen CHILDREN OF BODOM und dezenten Anleihen an THE BLACK DAHLIA MURDER schweifen, sorgen vor allem die rhythmischen Wechsel für coole Kontraste. Der Kehrreim zeigt in seiner tonalen Wa(h)l (das war dann ein nautischer Gag zu viel) wie man Stimmungen ziemlich schnell umschwingen lassen kann. Während sich das Konstrukt melodisch aufbaut wird mit genau einem Akkord die Harmonie angenehm gebrochen, was definitiv aufhorchen lässt.

Der Titeltrack „Seelentyrann“ hämmert daraufhin unerbittert nach vorn und wartet mit derselben Mischung aus thrashigen Strophen und melodischeren Parts auf. Die Vocals kommen hier besonders geil zur Geltung und erhalten genügend Raum zum Hervortreten. Allgemein muss man ARMAGENDA ein gutes Händchen für kompakte und straffe Songstrukturen zusprechen, da sie nicht den Fehler machen sich in den Irrungen und Wirrungen zu verlieren, die einem die Palette bietet mit der hier gemalt wird.

Etwas rockiger geht es in „Verhängnis“ ab. Die Tempowechsel stellen die Riffs zwar ganz gut in den Vordergrund, wollen aus dem Song aber nicht so richtig den Torpedo machen, der womöglich beabsichtigt war. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.

Mit „Blindgänger“ wird man schließlich im Riffing munter von einer Ecke in die nächste geworfen und ARMAGENDA machen auf dem schmalen Grat zwischen Death und Black Metal Purzelbäume. Alles jedoch ohne sich genau auf eine Richtung festzulegen zu wollen. Auch die vereinzelten moderneren Thrash-Tupfer kehren hier wieder ins Songwriting zurück und servieren damit einen knackigen Happen aus der norddeutschen Kombüse.

Abschließend kann man sagen das ARMAGENDA sich im Vergleich zum Vorgänger „Des Chronisten Abgesang“ weiterentwickelt und ihren Stil weiter ausgebaut und verfeinert haben. Die Songs halten sich zwar vermehrt im Midtempo auf und ähneln sich stellenweise auch etwas, verfehlen im Großen und Ganzen allerdings ihre Wirkung nicht. So steht das norddeutsche Quintett für drückenden, Riff-getriebenen Death/Thrash der ohne viele Experimente auskommt und sich auf die Kernaspekte der jeweiligen Genres besinnt. Herausgekommen sind 10 kurzweilige Brecher die bei ihrer Livedarbietung ordentlich Staub aufwirbeln sollten und den einen oder anderen Durchlauf rechtfertigen. Besonders das erste und letzte Drittel des Albums weiß zu überzeugen und kann mit coolen Melodiebögen auftrumpfen, die fernab von Nachahmungen liegen, sondern eher einen gewissen Charakter aufweisen, welcher mit gerade einmal dem zweiten Album schon deutlich Finesse mit sich bringt.