In einer neuen Runde unserer legen- ….warte… -dären Interviewreihe hatten wir die Schweizer DAYS OF RUINS auf dem Grill, die in normalen Nicht-Corona-Zeiten Metalcore nicht nur in ihren eigenen vier Wänden zocken. Neben ernsten Themen wie die immer größer werdende Schere von Arm und Reich oder das Aussterben der Liveclubs erfahrt ihr aber auch etwas über Schwiegermütter und Kaffee. Und wundert euch übrigens nicht, wenn ihr keine „ß“ findet – aber die gibt’s halt in der Schweiz einfach nicht. Und auch die Währung müsst ihr im schlechtesten Fall mal googeln – die Übersetzung haben wir uns einfach mal gespart. Hier gibt’s die ungeschminkte Wahrheit über die Berner.

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  1. Wie habt ihr Bandname und Logo entwickelt?

Unser Bandname soll den Zustand unserer Welt widerspiegeln. Auch wenn wir immer noch auf heile Welt machen und gerade in Ländern wie der Schweiz alles so toll aussieht, gibt es grundlegende Probleme in unserem System, welche uns langsam aber sicher an eine nächste Krise ranführen. Und natürlich wollten wir auch einen Namen, den man sich einfach merken kann. Das Logo wurde von unserem Drummer, der auch Tätowierer ist, entwickelt.

  1. Was muss ein Song haben, damit er auf eurer CD landet? Welche Songs fliegen raus?

Wenn wir die Songs immer und immer wieder spielen, ohne dass sie uns verleiden und live gute Stimmung aufkommt, sind das meistens gute Indikatoren, was auf einer CD landet. Aber es ist natürlich immer so, dass man ein paar persönliche Lieblinge hat. Path of Liberty sticht zum Beispiel schon ziemlich hervor auf dem aktuellen Album.

  1. Was darf bei einem Live-Auftritt nie fehlen?

Bewegung und Spass an der eigenen Sache! Wir können von unserem Publikum nur erwarten, dass sie eine gute Zeit haben, wenn wir das selber auch repräsentieren. Darum geben wir immer Vollgas und versuchen diese positive Energie überspringen zu lassen.

  1. Welches Ziel verfolgt ihr mit eurer Musik?

Ganz ehrlich: Spass haben! Wir machen nun schon einige Zeit Musik und sind weitestgehend befreit von Illusionen des grossen Erfolgs. Wenn wir ein paar Leute mitreissen können und zusammen eine gute Zeit haben, ist das eine schöne Belohnung!

  1. Wie seht ihr euren Platz in der Szene?

Wir haben uns noch keinen grossen Ruf erspielt, aber wer uns mal live erlebt hat, kommt häufig auch zu weiteren Konzerte. Wir sind uns im Klaren, dass die Szene ziemlich gesättigt ist und unsere eigenen Freunde halt auch ein paar Jahre älter geworden sind und nicht mehr auf jedes Konzert kommen. Umso wichtiger ist es für uns, bei jeder Gelegenheit, die sich ergibt, mit 120% auf die Bretter zu gehen.

  1. Was nervt euch am Musik-Business am meisten?

In der Schweiz werden die Radiostationen fast ausschliesslich von Einheitsmüll beherrscht – ja keinem wehtun. Die Clubs hier sterben leider auch, je länger je mehr, und man hat auch zuletzt eine gewisse Übersättigung gespürt, besonders seitdem sich die Subgenres so vermehrt haben. Ist doch nicht normal, wenn zwei Bands für unter CHF 10.- spielen und das den Leuten in der Bar oberhalb vom Club immer noch zu teuer ist, oder?

So schlimm wie Corona auch ist, wir haben etwas Hoffnung, dass die Leute in Zukunft wieder mehr Bock auf Live-Musik haben!

  1. Wer sind eure Vorbilder?

Das kommt immer drauf an, wen man fragt. Bands wie Cataract, Killswitch Engage, Lamb of God, Kataklysm oder auch verschiedene Künstler aus anderen Genres haben uns alle beeinflusst. Ich habe generell grossen Respekt für alle Musiker, die ihr Ding durchziehen und Musik aus Leidenschaft machen.

  1. Wie entstehen eure Texte?

Um das zu verstehen muss folgendes YouTube-Video geschaut werden:

YouTube

  1. Wenn alles möglich wäre – wie würde euer ultimatives Musikvideo aussehen?

Wahrscheinlich etwa wie Mad Max Fury Road.

  1. Welche Band(s) haltet ihr gerade für völlig unter-/überbewertet? Warum?

Die wenigsten von uns verfolgen das aktuelle Musikgeschehen mit voller Aufmerksamkeit. Das Ganze ändert sich aber auch so verdammt schnell. Früher hast du dir mit einer geilen Tour oder guten Gigs einen Namen gemacht. Heute kann es sein, dass man über Reaction-Videos auf YouTube entdeckt wird, ohne ein Konzert zu spielen. Aber man sollte sich nicht zu fest damit befassen, warum einige Künstler erfolgreich sind und andere nicht. Wir müssen die beste Version von uns selbst sein und dahinter stehen, was wir machen.

  1. Wie sieht euer Proberaum aus?

Wir würden sicher nicht unsere Schwiegermütter zum Kaffee dorthin einladen.

  1. Wann habt ihr die meisten/besten Ideen für neue Songs?

Meistens bei Jams. Unser Leadgitarrist schüttelt häufig die besten Riffs aus dem Ärmel, wenn es niemand erwartet. Wir hatten schon Phasen, in denen wir fast pro Bandprobe einen neuen Song geschrieben haben. Dann gibt es aber auch immer wieder längere kreative Blockaden.

  1. Was ist der Stoff, aus dem eure Alpträume sind?

Schwierig zu sagen. Der Verlust von Freunden und Familie kommt sicher oben auf die Liste. Aber auch die Richtung, in die wir uns als Gesellschaft bewegen, ist besorgniserregend. Einerseits klafft eine immer grösser werdende Lücke zwischen Arm und Reich, andererseits wird alles immer wie mehr reguliert und das Modell „freie Marktwirtschaft“ kommt auch langsam aber sicher an seine Grenzen. Unsere Kinder werden mit grossen Herausforderungen für die Zukunft konfrontiert.

Vielen lieben Dank an DAYS OF RUIN für eure Zeit und viel Erfolg weiterhin!