Lamb-Of-God-Lamb-Of-God-Live-From-Richmond-VAGenre: Groove Metal/Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 26.03.2021
Bewertung: Gut (6/10)

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Wenn eine Veröffentlichung der amerikanischen Groove Metaller LAMB OF GOD ansteht spitzt man automatisch die Ohren. Erst mit ihrem letzten, schlicht „Lamb of God“ betitelten neunten Studioalbum, meldete sich die Truppe um Sprachrohr Randy Blythe amtlich zurück und servierte starken modernen Metal mit Einschlägen aus dem Southern Rock, Thrash und einer Menge Blues. Jetzt liegt in Form der neuen Liveplatte „Live in Richmond, VA“ ein neues Zeugnis der technisch einwandfreien und stets energetisch spielenden Band vor, das als Trostpflaster für die weiterhin ausfallenden Konzerte dienen kann. Das besondere an der Auswahl der Songs ist, dass sich genau dieses letzte Album einmal von vorn nach hinten zur Brust genommen wird. Zusätzlich werden eine handvoll ausgewählte Songs in die Setlist geschoben, welche das Gesamtbild abrunden. Da das Album zu Beginn der Pandemie erschien, war es den Musikern zuletzt verwehrt Touren zu fahren und die Platte anständig zu zelebrieren, daher wurde sich dazu entschlossen die Aufnahmen zwar in einem Live-Setting und bereits im September letzten Jahres aufzunehmen, jedoch ohne Publikum. Bei „Live in Richmond, VA“ handelt es sich außerdem um die erste festgehaltene Performance von Neuzugang Art Cruz an den Drums, welcher den langjährigen Schlagzeuger Chris Adler ersetzte. „Live in Richmond, VA“ ist als CD, DVD und Vinyl erhältlich und erschien über Nuclear Blast Records, somit ist für jeden ein geeignetes Format dabei. Füße hoch, Korken von der Flasche und Turbinenschub auf volle Düse, jetzt wird gescheppert.

Direkt der Einstieg mit dem furiosen Opener „Memento Mori“ gelingt schon einmal sehr gut. Randy Blythe gibt mit seiner sonoren Stimme einen ruhigen Auftakt, bis es einmal kräftig knallt und der Rest der Band einsteigt und einen dicken Groove vom Stapel lässt, der sich gewaschen hat. Der Sound ist gut ausbalanciert und jedes Instrument kommt gut zur Geltung, ohne das beispielsweise die Drums zu präsent sind. Einzig der Bass hätte etwas prominenter im Mix liegen können, aber das ist verwöhntes Gejammer meinerseits. Trotz dessen, dass man wahrscheinlich alle Register hätte ziehen können um die Instrumente so perfekt klingen zu lassen wie möglich, hat man der Produktion genug an Rohheit gelassen und der Live Faktor kommt definitiv beim Hörer an.

„Checkmate“ und „Gears“, welche den Opener Hattrick vollenden, machen mächtig Dampf und werden runtergezockt, als hätte die Band die Songs bereits seit der Geburt Christi im Repertoire. Wobei man anmerken muss das Drummer Art Cruz am Ende von „Gears“ vielleicht ein wenig zu viel Stoff gibt und beinahe ein wenig übermotiviert davon hämmert. Die nun anschließende Anti-Establishment-Hymne „Reality Bath“ wird dem tragischerweise verstorbenen Riley Gale von Powertrip gewidmet. Als hätte die Band nur darauf gewartet übermannt einen auch direkt einer der unbarmherzigsten und unwiderstehlichsten Groove-Parts des gesamten Albums. Meine Herren, das drückt mehr als Nikki Six seinerzeit in den Achtzigern.

Tatsächlich kommen durch die unmittelbare und ungefilterte Darbietung so einige Nuancen zum Vorschein, die man beim normalen Hören des Albums so nicht wahrgenommen hat. Gutes Beispiel hierfür ist der Refrain von „New Colossal Hate“, bei dem die Leadgitarre weitaus mehr Raum einnimmt als bei der Dosenversion, da nicht alles durch tonnenweise Gitarrenspuren begraben wird. Bei den Songs „Poison Dream“ und „Routes“ vergisst man zuweilen sogar dass für die Aufnahmen des Albums jeweils Jamey Jasta (Hatebreed) und Chuck Billy (Testament) als Gastsänger vertreten waren, da Blythe den betreffenden Passagen seinen eigenen Stempel aufdrückt, der einfach wie Arsch auf Eimer passt.

Allgemein sticht die Intensität des Albums durch die Darbietung zusehends hervor und gibt der ganzen Sache eine zusätzliche Tiefe und verleitet dazu sich die Studio-Scheibe noch einmal einzubauen. Was man durchaus als gutes Zeichen werten kann, denn wenn man nach dem Konzert Lust bekommt die Musik erneut zu hören, kann man so viel nicht falsch gemacht haben. Der Zugabeblock grätscht in vier Akten einmal durch die Diskographie und wartet mit „The Death Of Us“ sogar mit einem Titel auf, den LAMB OF GOD zum Soundtrack des kürzlich erschienenen Films „Bill & Ted 3“ beigesteuert haben. Als Extra obendrauf setzt es noch zwei Studioaufnahmen der Songs „Ghost Shaped People“ und „Hyperthermic – Accelerate“, welche unmittelbar Lust auf weiteres neues Material der Truppe machen.

Aller Lobhudelei zum Trotz muss man attestieren das die Idee, ein ganzes Album am Stück zu performen, zwar in Zeiten wie diesen cool ist, aber nichts was man zwangsläufig benötigt. Einzig die Variante sich das Konzert mittels DVD auf den heimischen Fernseher zu holen bietet ein wirklichen Reiz, da dadurch das Feeling einer neuen Veröffentlichung noch am ehesten transportiert wird, da man die Songs noch nie live bestaunen konnte. Für extreme Fans der Band aus Richmond motherf*cking Virgnia bietet das Livezeugnis jedoch feinste Unterhaltung, daher fällt die Bewertungsnote zwar mittelmäßig, jedoch positiver gemeint aus als sie vermuten lässt.