THE ABSENCE - CoffinizedGenre: Melodic Death Metal
Label: M-Theory Audio
Veröffentlichung: 25.06.21
Bewertung: Heavy! (10/10)

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JAAAAA, JA, JAA! Endlich ein neues THE ABSENCE Album! Freut ihr euch auch so wie ich? Wahrscheinlich haben die US Amerikaner, die ihren Melo-Death in der sengenden Hitze von Florida braten, nicht so extrem viele Fans hier. Das mag zum einen daran liegen, dass sie nicht in allzu regelmäßigen Abständen neue Alben veröffentlichen, oder aber, dass die Bandmitglieder ihre Finger in viel zu vielen anderen Projekten und Jobs als Live-Musiker stecken haben, oder aber, weil sie einfach furchtbar unterschätzt werden – oder: Live-Auftritte in Deutschland Mangelware (ich denke nicht, dass ich sie schon einmal gesehen habe). Schon das Debütalbum, das Anfang der 2000er herauskam, als die Melo-Death-Welle schon deutlich abgeebbt war, war ein absoluter Wahnsinnshammer, wie auch alle darauf folgenden Alben. Jetzt präsentieren die Jungs ihr fünftes Album, das genauso viel auf dem Kerbholz hat.

THE ABSENCE klingen für mich von der ersten Note absolut unverkennbar nach sich selbst, der Gesang von Fronter Jamie ist einzigartig und ich würde ihn vermutlich überall heraushören. Dabei ist es „einfach“ nur „ganz normales“ Growlen, das der Kahlköpfige in die Waagschale wirft. Der erste Song, der auch gleich der Titelsong ist, legt die Marschroute fest. Mit einem minimalen Intro, das die Melodie des Tracks aufnimmt, machen die Amis sofort alles richtig. Mit dem ersten Ton des eigentlichen Songs muss man automatisch mit dem Kopf nicken. Die Melodien sind herrlich, aber nicht übertrieben frickelig, der Härtegrad stimmt exakt. Der Titel (bevor ihr Google Translate befragt) ist eine Wortneuschöpfung, aber ich denke, das intendierte Gefühl lässt sich leicht nachvollziehen: eingepfercht in einen Sarg, bewegungslos in der Dunkelheit, ausweglos. Oder in den Worten der Band: “We have all been ‚Coffinized‘ at one point or another – trapped in a distant, funerary bubble, obscured under a dark, brooding outlook. As one lingers for a collective exhale, it calls out – a seeping, miserable existence disguised. Such horrors hidden by means of mental escape. But being engulfed by your own disgust and inability can be suffocating: it collapses in, embalming into your being. You become a living casket for all of your own bitter frustrations – nailed in and buried alive.”

“Future Terminal” hackt in bekannter Manier weiter im Takt, die Gitarren wechselnd zwischen zweispurig und gegengleichen Melodien. Das Leadriff wird in Variation immer wieder aufgenommen, dazwischen klassische Doublebass und schreiende Leadgitarre, die sich in Soli verliert, schööööön! Trotz zahlreicher Tempowechsel wirkt der Song homogen. Im Vordergrund stehen die melodischen Gitarren, die von einem nicht zu harten Schlagzeug nicht verprügelt werden, auch Sänger Jamie growlt nicht über allen anderen. Auch der Songtitel ist klar erkennbar und mitgrölbar. Sicher ein Live-Hammer (wenn denn…).

„Choirs of Sickness“ bewegt sich weiter in der Tradition der alten Melo-Death Haudegen. Gitarren und Schlagzeug treiben mal zusammen den Song vorwärts, mal verzieren sie den Melodiebogen mit zusätzlichem Schmuck. Das Zwischenspiel bilden klassische, an spanische Gitarren erinnernde Riffs, die mit Klargesang beendet werden und zu mehr Geknüppel überleiten. „Radiant Devastation“ experimentiert mit verschiedenen Disharmonien und stolpernden Beats, bevor die Strophe wieder etwas geschmeidiger und harmonischer in ein fantastisches Gitarrensolo überleitet, das wiederum die Grundlage für die Fortsetzung des Songs dient. Der Song punktet mit seiner Kreativität und der Mitsingbarkeit. „Cathedral Dawn“ (keine Ahnung, was der Titel mir sagen soll – vielleicht religionskritisch?) hält sich, was Schnörkel angeht, wieder etwas mehr zurück, spart aber nicht mit Tempowechseln und schreienden Leadgitarren. „Black Providence“ dagegen beginnt geruhsam und setzt auf dramatische Gitarren und einen gediegenen Groove, was Abwechslung von dem sonst doch recht zügigen Tempo bietet und den Song damit recht speziell macht. In einem ähnlichen Fahrwasser bewegt sich zunächst auch „Treacherous“, verlässt die ruhige Nebenstraße aber wieder zugunsten der vierspurigen Autobahn.

„Discordia“ drückt dagegen wieder mehr auf die Tube, „This Consuming Nocturne“ beginnt mit einem akustischen Intro, prügelt dann aber in klassischer Manier mit Doublebass und galoppierenden Trommeln weiter. Die doppelspurigen Gitarren beweisen Fingerfertigkeit und eine Vorliebe für Vibrato und eine Flexibilität der Höhe der einzelnen Töne. „Aperture Expands“ punktet bei mir wieder mit dem ganz speziellen Melo-Death Groove, der perfekte Kopfnickgeschwindigkeit hat, aber auch genügend Bass und klassische Gitarrenläufe. „Faith in Uncreation“ bildet den Abschluss der Platte und bietet noch einmal innovative Riffkombinationen auf.

Das Fazit zur Platte kann nur sein: Mehr geht nicht! Die Jungs machen wieder alles richtig und bieten auf der einen sofortige Ohrwürmer, auf der anderen Seite überraschende Riffs und Songstrukturen, die man sich erst ein paar Mal anhören muss, um die ganze Bandbreite zu erfassen. Hier ist in jedem Song einiges geboten, das man vielleicht zuerst überhört. Es lohnt sich also nicht nur, sich die Platte anzuhören, sondern diese auf Dauerrotation einzustellen. Und auch wenn die Chefetage immer schimpft, dass ich mit Punkten um mich werfe – was soll ich machen, THE ABSENCE knallen einfach. Definitiv eine der besten Melo-Death Combos EVER! Geht das Album kaufen. Zackig.