CLOAKROOM - Time Well
Cloakroom - Time WellGenre: Stoner Rock
Label: Relapse Records
Veröffentlichung: 18.08.2017
Bewertung: Sehr Gut (7/10)
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Wenn man sich sonst eher nicht mit Stoner Rock beschäftigt, kann sich ein Album dieses Genres schon mal in die Länge ziehen. Die sich scheinbar ständig wiederholenden, trägen Riffs gepaart mit einer rauen, dezent faulen Stimme und gefühlt kaum vorhandene Dynamik sind wohl Kritikpunkte aus den Reihen ungeschulter Ohren. CLOAKROOM geben sich keine Mühe, groß aus diesem Raster zu fallen, während sie trotz dessen mit subtilen Änderungen überraschen.

Wie es halt bei den Stonern so üblich ist, lassen sich die drei Jungs Zeit, bis es mal „richtig zur Sache geht“. Wobei hier weniger wildes Geklöppel oder deftige Screams und Eskalationen gemeint sind, denn sowas sucht man vergeblich. Hier wird sehr viel Wert auf Entspannung und Atmosphäre gelegt.

Der Opener „Gone But Not Entirely“ verursacht zu Beginn schon ein Wabern im Kopf, das allein dem typisch grungig verzerrtem Gitarrensound zu verdanken ist. Während der Sänger viel zu leise in sein Mikro nuschelt, wird im Hintergrund zwischen drückenden Akkorden und leichten Tönen gewechselt, was zumindest ein wenig Abwechslung bringt. Versucht man Verse von Chorus zu unterscheiden, scheitert man hier kläglich, da alles ineinander fließt und jeder Part dadurch gleichzeitig anders aber trotzdem sehr ähnlich klingt.

Während alle Songs auf der Platte dynamisch betrachtet relativ vergleichbar sind, fallen nichtsdestotrotz eine Handvoll heraus, die entweder ein bisschen aggressiver klingen oder energetischer. Ein Beispiel bietet hier „Concrete Gallary“. Dort ist zumindest das Main Riff fetziger als der wolkige Rest, doch wie sollte es auch anders sein, zieht sich das Trio eilig wieder in die gewohnt kuschelige Komfortzone zurück.

Gelegentlich bedienen sich CLOAKROOM mal an atypischen Genres wie Country und bauen dafür bei „The Sun Won’t Let Us Go“ mal nur auf einer drahtigen Akustikklampfe und einem ganz wenig blechernem Schlagzeug auf, während ein wunderbarer dumpfer Bass den Hintergrund ausfüllt und scheinbar den Song von ganz allein trägt. Ein minimalistisches E-Gitarren-Solo setzt auch noch, wie gewohnt gegen Ende, ein und legt sich später mit angenehmen hellen Tönen auf die Vocals.

Ein Aspekt, der deutlich heraus sticht, ist, dass bei jedem Song bedacht mit dem Einsatz von Zerre, Clean und Akustik Gitarre gearbeitet wird. Es ist nie durchgängig verzerrt oder clean, sondern passt sich an die allgemeine Stimmung des Parts und wodurch zwar nur subtil eine Veränderung zu spüren ist, die dennoch viel zu dem allgemeinen Sound der Platte beiträgt. Wäre dies nicht der Fall, würde man vermutlich noch nicht einmal die einzelnen Songs voneinander trennen können.

Was CLOAKROOM hoch anzurechnen ist, ist, dass sie es nicht übermäßig mit dem Reverb übertreiben, was den Sound generell noch verschwommener darstellen würde, als er eh schon ist (zumindest an den Stellen, an denen man keinen einzigen Clean Sound zu fassen bekommt). So ergibt es sich nun auch, dass bei dem Track „Big World“ ein wunderschönes, gediegenes Reverb auf den Drums ist, welches nicht nach einem einfachen Ikea-Schrank-Bausatz sondern nach einer extra Anfertigung aus Massivholz klingt.

Dem Genre Stoner Rock machen CLOAKROOM mit diesem Album alle Ehre. Manchmal scheinen einem die nahezu dröhnenden Gitarren und das monotone Schlagzeug zu Kopf steigen, während die Vocals besser als jede Schlaftablette wirken, doch genau das scheint „Time Well“ auszumachen. Hat man sich einmal mit dem Zeug auseinandergesetzt und auf sich wirken lassen, kann es schon mal mehr oder weniger schnell dazu kommen, dass man, mitgenommen von den schleppenden Riffs, sich in dem ganzen Gewaber von einzelnen Akkorden und verträumten Vocals recht schnell verliert.

Ich muss zugeben, dass „Time Well“ schon ein Album für sich ist, dass sehr wahrscheinlich den Geschmack der breiten Masse nicht treffen wird, dafür aber den Stoner-Liebhabern umso mehr ans Herz wächst.